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Aus dem Bush geklopft

December 18, 2007 (updated on January 7, 2008)

Im Sommer 2002 gaben BUSH ihr letztes Konzert. Seitdem war GAVIN ROSSDALE Solokünstler, Teilzeit-Schauspieler – und vor allem: Mr. Gwen Stefani. Nun hat der gebürtige Brite mit INSTITUTE eine neue Band, mit der er an die Erfolge von Bush anknüpfen will.

Von David Bauer.

Medium: RockStar Magazine
Datum: Oktober 2005

Gavin, wie läuft die erste Tour mit Institute?
Sehr gut. Ich bin überrascht, wie gut alles klappt bisher. Vor allem aber ist es gut, wieder mal auf Tour zu sein. Darauf habe ich lange gewartet.

Wie fühlst du dich denn, jetzt da du mit Institute wieder eine Band hast?
Eine Band zu haben ist definitiv besser als keine zu haben. Du hast Leute, mit denen du unterwegs bist, mit denen du reden kannst. Du hast einfach Leute um dich herum.

Seit dem Ende von Bush ist es ruhiger um dich geworden. Was hast du die letzten drei Jahre gemacht? Auf eurer Website schreibst du: „Ich habe geheiratet, ich habe eine Band verloren, ich habe eine neue Band gefunden“. Mehr nicht?
(leicht genervt) Das ist ja nur ein einzelner Satz aus der Bandbiografie. Der sagt nichts aus. Er ist mir nicht auf die Stirn gestempelt, oder?

Dann erzähl doch mal, was in den letzten Jahren alles passiert ist. Das Album von Institute klingt, als hättest du darin einige Eindrücke verarbeitet.
Das ist sicher richtig. Ich habe versucht, dem Album bewusst eine Perspektive zu geben, die sehr nahe an mir als Person ist. Und natürlich ist einiges passiert in den letzten Jahren – in meinem Leben und auf der ganzen Welt.

Machst du dir Sorgen um die Welt, so wie sie sich momentan präsentiert?
Ich bin noch nicht verrückt geworden, also scheine ich damit umgehen zu können (lacht). Aber im Moment scheint es mir, als würde die Welt ein wenig im Chaos versinken. Vielleicht ist die Moderne, wie wir sie uns immer vorgestellt haben, gar nicht so erstrebenswert. Ich wünschte, es gäbe wieder mehr Platz für Menschlichkeit in Zeiten des Hasses.

Hast du in letzter Zeit daran gedacht, Bush wieder zu beleben?
Ja, oft sogar. Aber unser Gitarrist wollte einfach nicht mehr auf Tour gehen. Was willst du dann machen als Rockband? Ich hätte natürlich den Gitarristen auswechseln können, wie ich es auf der letzten Tour mit Bush gemacht habe. Aber auch die anderen beiden Jungs schienen sich nicht mehr sehr für die Sache zu begeistern.

Hat dich das frustriert?
Ja, sicher. Ich für meinen Teil war jederzeit offen für einen Neubeginn. Aber ich alleine bin noch keine Band. Irgendwann merkst du, dass es nicht mehr funktioniert. Dann musst du etwas anderes machen.

Soloprojekte oder Schauspielern zum Beispiel. Wieso hat es dich eigentlich dann doch wieder zu einer Band hin gezogen?
Wenn du von einem Rockmusiker erwartest, dass er plötzlich Schauspieler wird oder nur noch solo unterwegs ist, dann ist das wie wenn…(überlegt)…wie wenn du einem Fussballspieler sagst, er müsse von nun an Tennis spielen. Ich hätte auch Musikjournalist werden können (lacht). Aber irgendwie hat das alles nicht gepasst. Ich musste wieder in eine Band. Ich liebe nun mal schnelle und kraftvolle Rockmusik, wie sie nur in einer Band möglich ist.

Die Startbedingungen für deine neue Band sind aber nicht gerade optimal. Alles spricht ja bloss von den neuen Bush.
So läuft das eben. Das Label pusht diesen Aspekt noch zusätzlich. Ich habe ihnen bestimmt nicht gesagt, dass sie Institute als die neuen Bush verkaufen sollen, und ich wäre froh, sie würden es nicht tun. Ich selber versuche diesen Aspekt so gut wie möglich im Hintergrund zu belassen. Auch wenn ich mich natürlich überhaupt nicht schäme für Bush. Diese Band hat mir alles gegeben, was ich jetzt habe.

Hat sich denn auch deine Rolle innerhalb der Band verändert, wenn du Institute mit Bush früher vergleichst?
Wohl schon ein wenig. (zögert lange) Ich bringe vieles an Erfahrungen in diese Band hinein. Ich glaube auch, dass meine Gitarren dominanter geworden sind, weil ich mein Spiel verbessert habe.

Dann stehst du bei Institute noch stärker im Zentrum als früher?
Nun ja, wenn du alle Songs alleine schreibst, singst und Gitarre spielst, dann stehst du stark im Zentrum und vieles in den Songs dreht sich um dich.

Ist das auch der Grund, warum Institute musikalisch nicht allzu weit entfernt sind von Bush?
Klar, der Grund dafür bin ich. Aber ich versuche eigentlich, die beiden Bands stärker von einander abzugrenzen. Aber die Melodien kommen ganz von alleine und so klingen halt manche Songs ähnlich. Dagegen kann ich nicht viel unternehmen.

Wobei es dir ja teils nicht schlecht gelungen ist. Institute tönen meist präziser als Bush, der Sound ist kräftiger und auch härter als früher. Es sind hauptsächlich die Melodien und deine Stimme, die an noch Bush erinnern.
Gut dass du das sagst. Diese Beschreibung trifft es wohl ziemlich gut. Ich habe etwas interessantes festgestellt: Wenn du Bush kennst und dann Institute hörst, dann klingen sie ähnlich. Wenn du dir aber beides direkt nacheinander anhörst und genau vergleichst, klingen die beiden Bands sehr verschieden. Bei all diesen Vergleichen, die man nun hört, sollte man immer auch bedenken, dass das Album noch gar nicht veröffentlicht ist. Wenn es veröffentlicht ist und sich viele Leute genauer damit auseinander setzen können, fallen die Reaktionen womöglich wieder komplett anders aus.

Mit deiner letzten Band hattest du grossen Erfolg. Hausintern bist du mittlerweile nur noch die Nummer 2, seit Gwen Stefani neuerdings Riesenerfolge verbucht. Ist da der Druck nicht gross, auch mit Institute ganz gross rauszukommen?
Nun, ich bin ziemlich sicher, dass Institute kleiner bleiben werden, als es Bush zu besten Zeiten waren. Natürlich wäre es grossartig, wenn wir die selben guten Reaktionen wie früher bekommen würden und wieder gross werden könnten. Aber vorerst ist für mich nur wichtig, wieder in einer richtigen Band zu sein und auf Tour gehen zu können.

Institute «Distort Yourself» (Interscope/Universal) ist am 12. September erschienen.

Institute: «Distort Yourself» (Interscope/Universal)

„Bullet-proof Skin“, die Vorab-Single und der Opener zum Debütalbum von Institute, ist ein guter Wegweiser. Es ist ein kräftiger Rocksong mit eingängiger Melodie, sehr präzise und flüssig gespielt, garniert mit der unverkennbaren Stimme von Gavin Rossdale. Es ist ein typischer Song aus der Feder Rossdales und erinnert wohl deshalb stark an Bush. „Distort Yourself“ als Album zeigt aber auch, dass Institute nicht einfach Bush in neuer Besetzung sind. Wo Bush ausschweifend und opulent waren, bringen Institute erdigen Rock direkt auf den Punkt. Dennoch lässt Rossdale die grossen Melodien nie aus den Augen; alle Songs kulminieren in eingängigen Hooklines. Es ist denn auch der einzig grössere Vorwurf den man Institute machen kann, dass sich die Refrains und die Songstrukturen allgemein zu sehr gleichen. Ansonsten ist Institute bestimmt eines der besseren Alben des Jahres gelungen, das einen risikofreien Neubeginn mit rosigen Aussichten garantiert. (dba)

8.5/10

Von Bush zu Institute

Vier Studioalben, ein Remixalbum, hunderte von Gigs, Millionen von verkauften Platten. Dies die eindrückliche Schlussbilanz von Bush, einer Band, die in den 90er Jahren eine der bekanntesten britischen Bands war – zumindest in den USA. Während auf der Insel alles nach Britpop lechzte, nahmen die USA die Post-Grunger willig auf. Alleine ihr Debut „Sixteen Stone“ ging in den Staaten über sieben Millionen mal über den Ladentisch. Bis zur Auflösung der Band vor drei Jahren hatten sich Bush mehr und mehr vom Grunge emanzipiert und sich mit sowohl britisch wie amerikanisch beeinflusstem Rock etabliert.

Zwei Konstanten sind von Bush noch übrig geblieben. Gavin Rossdales Rolle als Songwriter und Bandleader sowie die Bandzusammensetzung, ein klassischer Rock-Vierer. Die weiteren Bandmitglieder von Institute sind keine Unbekannten. Leadgitarrist Chris Traynor hat sich bei Helmet einen Namen gemacht und ist bereits auf der letzten Bush-Tour als Ersatz eingesprungen. Am Bass steht Cache Tolman, ehemals bei Civ, Rival Schools und Iceburn. An die Drums hat Rossdale den ehemaligen Schlagzeuger von Chamberlain, Split Lip geholt, Charlie Walker. Noch bekannter ist allerdings derjenige Mann, der das Debutalbum von Institute produziert hat: Page Hamilton, seines Zeichens Mastermind von Helmet. (dba)

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