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Gedränge im Plattenladen

January 6, 2008 (updated on October 24, 2009)

Von Weyermann bis Züri West: Schweizer Plattenfirmen füllen das Januarloch mit nationalen Künstlern. Und machen sich so gegenseitig die Käufer streitig.

David Bauer.

Medium: Basler Zeitung
Ressort: Kultur
Datum: 4. Januar 2008

Der Januar ist der Besenwagen des Weihnachtsgeschäfts. Der Kaufrausch ist vorbei. Das Glitzern und Funkeln ist gewichen, aus den Geschäften und den Konsumentenaugen. Geschenke werden umgetauscht, und wer Geld ausgibt, tut dies mit schlechtem Gewissen und gutem Vorsatz für ein Fitness-Abo. In Kauflaune sind die Wenigsten.

Ausgerechnet in dieser Zeit veröffentlichen sieben bekannte Schweizer Künstler und Bands ein neues Album. Den Anfang macht heute Kandlbauer, ein ehemaliger Musicstar-Finalist. In der Woche darauf kommen Züri West, Toni Vescoli und Adrian Weyermann mit ihren neuen Alben. Am 18. Januar ist die Luzerner Popband Dada ante Portas an der Reihe, in der letzten Januarwoche wird das neue Album von Liedermacher Tinu Heiniger ins Rennen geschickt, und das Debüt von Myron, der Basler Band, mit der Sony BMG einen grossen Coup landen möchte.

ALBUMFLUT. Hinzu kommen zahlreiche kleinere Veröffentlichungen. Im Februar und März geht es im gleichen Takt weiter. In keinem anderen Quartal des Jahres werden so viele Schweizer Alben veröffentlicht wie im ersten. Das hat seinen guten Grund. «Der Januar oder grundsätzlich die ersten drei Monate im Jahr haben sich sehr bewährt für Schweizer Veröffentlichungen», sagt Rico Fischer, der bei Sony BMG für die Schweizer Künstler verantwortlich ist. In dieser Zeit kommen wenige internationale Stars mit neuen CDs auf den Markt, die Konkurrenz ist nicht so gross wie im Frühjahr oder der Vorweihnachtszeit.

Das Album von Adrian Weyermann beispielsweise war schon im Herbst fertig. Man habe die Veröffentlichung erst auf den Januar gelegt, sagt Promoter Nick Heizmann, weil es sonst Gefahr gelaufen wäre, im grossen Angebot der Vorweihnachtszeit unterzugehen. «Im Weihnachtsgeschäft kann man nur mit einem wirklich grossen Schweizer Act bestehen», sagt auch der Musikmanager Eric Kramer. Der Lausanner Rapper Stress, den Kramer betreut, ist so einer. Eine Woche vor Weihnachten stand er als einziger Schweizer Künstler in den Top10 der Hitparade. Doch auch er hat sein Album nicht vor Weihnachten veröffentlicht, sondern Anfang 2008.

Denn es gibt einen zweiten wichtigen Grund, der für diesen Termin spricht: die Jahresplanung. Die sieht laut Manager Kramer idealerweise so aus: «Anfang Jahr veröffentlicht man das Album, daraufhin macht man eine kleine Clubtour, im Sommer folgen die Festivals und im Herbst als letzte Steigerung Konzerte in grösseren Clubs.» Wer das ganze Jahr sehr präsent ist, kann dann auch im Weihnachtsgeschäft bestehen. Bei Stress ist diese Rechnung voll aufgegangen, dieses Jahr versucht Kramer mit Dada ante Portas dieselbe Strategie.

ABSPRACHE. «Lange hat niemand Alben veröffentlicht im Januar», sagt Sylvie Widmer vom Label Soundservice, welches das Album von Züri West veröffentlicht. Erst in den letzten Jahren hätten immer mehr Labels den Jahresbeginn für ihre Veröffentlichungen entdeckt. Was nun zur Folge hat, dass die Schweizer sich zwar die internationale Konkurrenz vom Hals halten, sich gegenseitig aber die Käufer streitig machen.

Die Labels lösen das Problem, indem sie sich absprechen. Produkte, die sich direkt konkurrieren könnten, sollen wenn möglich nicht am gleichen Wochenende auf den Markt kommen. Bei der grossen Zahl an Veröffentlichungen ist das nur bedingt möglich, jede Woche streiten sich zwei bis drei Schweizer Platten um die besten Plätze in den Geschäften und den Medien. Sorgen, die sich Sylvie Widmer nicht macht. Wer Züri West veröffentlicht, muss nicht auf die Konkurrenz schauen und Absprachen treffen. Und Nick Heizmann ist gar überzeugt: «Die Konkurrenz zwischen nationalen Künstlern belebt das Geschäft.» Die Hitparade im Januar wird es zeigen.

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