Was ist Journalismus?
Friday, 29. February 2008
Manchmal ist es ganz heilsam, einen Moment zurückzulehnen und über unsere Berufsgattung zu reflektieren. Was ist Journalismus, worum geht es uns, wenn wir Journalismus betreiben, und was macht einen guten Journalisten, eine gute Journalistin aus?
Eine romantische Vorstellung, von manchem Kollegen wohl insgeheim weiter gehegt, ist die des talentierten Schreibers, der eine Kunst ausübt. Journalistisches Schreiben als Schreiben per se, als kunstvolles Schreiben. Mir begegnet diese Vorstellung immer dann, wenn ich in Gesprächen gefragt werde, ob ich früher im Deutschunterricht schon immer gute Noten bekommen habe für meine Aufsätze. Aber Journalismus ist keine Kunst. Wir sind keine Literaten, auch wenn wir es manchmal meinen.
“Journalismus ist ein Handwerk!” Spätestens bei den ersten Aufträgen für die Lokalzeitung, im Gespräch mit älteren Kollegen, wird einem dies eingeredet. Journalisten seien Handwerker, ihr Material sind Informationen und Wörter und tagein tagaus bauen sie daraus Artikel. Den Werkzeugkoffer legt man sich an und komplettiert ihn mit der Zeit. Journalistische Texte als Ikea-Möbel: Beschaffen, auspacken, zusammenbauen. Beim ersten Mal mit etwas Mühe, mit etwas Übung immer leichter und schliesslich traumwandlerisch. Nein. Journalismus ist kein Handwerk. Wir sind keine Handwerker, auch wenn es manchmal leichter wäre.
Gewiss: Journalismus ist manchmal kunstvoll und hat immer auch mit Handwerk zu tun. Wenn er aber nur Kunst wäre, dann wäre er narzisstisch. Wenn er nur Handwerk wäre, wäre er seelenlos. Kunst und Handwerk erhalten für den Journalismus erst dann einen Sinn, wenn er mit Haltung betrieben wird. Dem Journalismus muss eine Haltung zu Grunde liegen, die uns vorgibt, wie wir handeln sollen. Wie wir unser Handwerk einsetzen und wo wir uns Kunst erlauben dürfen. Und dies durchaus im Sinne von Kants kategorischem Imperativ: „Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde.“
Es ist eine Frage der Haltung, in welcher Rolle wir uns als Journalisten sehen. Welchen ethischen und moralischen Grundsätzen wir uns verschreiben. Wem und welcher Sache wir uns verpflichtet fühlen und zu wem wir Distanz wahren. Und es ist eine Frage der Haltung, ob wir das, was wir tun, stets hinterfragen und prüfen, ob es unserer Haltung entspricht.
Noch keine Kommentare.