Was den Mediendarling “Stop Offroader-Initiative” so heiss macht

Heute gelesen: BMW plant eine Offroader-Version des guten alten Mini, den Mini Crossman. Dabei gedacht: Wahrscheinlich kontert Mercedes das bald mit einem Not-So-Smart.

Was mich zum Thema Offroader bringt, genauer gesagt zur Stop Offroader-Initiative. Es ist faszinierend zu beobachten, wie dieses Thema die Medien, allen voran das Fernsehen fesselt. Seit die Initiative eingereicht wurde, gab es dazu Streitgespräche in drei der wichtigsten Diskussionsformate im Deutschschweizer Fernsehen: In der Arena, im Club und im Talk Täglich auf Tele Züri.

Warum ist das so?

Die Konstellation bietet alles, was für die Medien, insbesondere das Fernsehen, attraktiv ist. Es ist ein grosses Thema (Klimaschutz, Sicherheit), das jedoch heruntergebrochen werden kann auf ein einfaches Symbol (das Auto). Es birgt Konfliktpotenzial in diversen Diskursen, kann aber jeweils auf ein Duell zugespitzt werden, in dem ausserdem auf beiden Seiten starke Protagonisten stehen.

Im Einzelnen:

Das Thema: Ziel der Initiative ist laut den Initianten, das Klima zu schützen und die allgemeine Sicherheit auf den Schweizer Strassen zu verbessern. Beides Themen, die mehr oder weniger jeden Schweizer betreffen. Denn wer sich nicht um das Klima sorgt, sorgt sich zumindest um die eigene Sicherheit, wenn er sein Haus verlässt.

Das Symbol: Im Zentrum des Interesses steht ein einfaches, aber sehr starkes Symbol: das Auto. Das Auto ist für viele mehr als nur ein Fortbewegungsmittel. Ein Auto steht für persönliche Freiheit, Prestige und Lebensfreude einerseits, für Gefahr, Umweltbelastung und Dekadenz andererseits. Zusammen mit der Armee und der Landwirtschaft bildet das Auto so etwas wie das Triumvirat der heiligen Kühe in diesem Land – wobei es wahrscheinlich von den dreien noch den grössten Rückhalt geniesst.

Die Diskurse: Im Kern geht es um etwas simples, nämlich um einen staatlichen Eingriff, der auf einen Markt korrigierend einwirken soll, der negative externe Effekte auslöst. Damit verbunden ist das erste Konfliktfeld: Etatismus versus Liberalismus (und heruntergebrochen: der einzelne Bürger gegen den bevormundenden Staatsapparat). Weil die Initative vornehmlich teure Autos betrifft, wird der Neiddiskurs aktiviert, Normalverdiener versus Besserverdiener. Es geht um die Autoindustrie, um die Wirtschaft, um Arbeitsplätze. Es geht um die EU. Und damit sind erst einige der zentralen Diskurse angesprochen. Entscheidend dabei ist, dass jeweils diametral entgegengesetzte Positionen aufeinander prallen, die per se keine Kompromisse zulassen und die gut als Duell inszeniert werden können. Ein Duell, in welchem Feindbilder geradezu zelebriert werden können.

Die Protagonisten: Ein (Rede-)Duell lebt von seinen Protagonisten. Auf der einen Seite steht ein telegener Shootingstar der Schweizer Politik, der grüne Nationalrat und Initiant Bastien Girod. Auf der anderen Seite zwei bissige Polterer, SVP-Nationalrat und Transportunternehmer Ulrich Giezendanner (in der Arena) und Jürg Scherrer, Präsident des Gegenkommittees (im Club und im Talk Täglich). Schöner könnte die Ausgangslage für das Fernsehen nicht sein: Junger, grüner Rebell fährt altem, rechten Autolobbyisten wortwörtlich an den Karren.

Soweit die Analyse aus journalistischer Sicht. Anzufügen sind noch zwei Dinge.

1. Es ist bedauerlich, dass im Zuge dieser Debatte jemand wie Jürg Scherrer, der sich in der Vergangenheit mit verschiedenen, teilweise auch justiziablen Äusserungen disqualifiziert hat, wieder eine grosse Plattform in der Öffentlichkeit erhält.

2. Für Duelle gelten klare Spielregeln. Mord- und ähnliche Drohungen gegen Girod und andere junge Menschen, die sich für die Initiative einsetzen, sind weit jenseits dieser Spielregeln und trüben den Spass, den solche kontroversen Debatten zweifelsohne beinhalten, massiv.

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