Sportjournalismus: Lernen vom Guardian
by David Bauer. Lesedauer: rund eine Minute.
Sportjournalismus hat im Allgemeinen einen ziemlich schlechten Ruf. Und bevor wir hier zum “Aber” kommen, muss gesagt werden: durchaus zu recht. Es gibt wenige journalistische Bereiche, wo gedankenverlorener Phrasen gedroschen werden und unkritischer mitgefiebert wird.
Und wenn man mal einen richtig guten Sporttext liest, dann hat ihn oft nicht ein Sportjournalist geschrieben: Ich denke etwa an den Text “Roger Federer as Religious Experience” des Schriftstellers David Foster Wallace, an “Pompöse Egos, irrlichternde Clubbosse und eine Schicksalsgemeinschaft” von Spiegel-Auslandchef Gerhard Spörl oder an “Johans Passion” (leider nur für Abonnenten verfügbar) von Weltwoche-Redaktor Bruno Ziauddin.
Aber.
Die Fussball-Matchberichte des britischen Guardian sind genau das, was man bei herkömmlichem Sportjournalismus so arg vermisst: Pointiert, unkonventionell und unterhaltsam.
Aktuelles Beispiel: Der Minute-by-minute-Bericht zum heutigen WM-Qualifikationsspiel zwischen England und Kasachstan. Da wird bereits vor Spielbeginn ein verbales Feuerwerk gezündet, dass man gar nicht erst auf die Idee kommt, den Fernseher einzuschalten. Und kein Spiel der Welt (und ganz bestimmt nicht England gegen Kasachstan) kann unterhaltsamer sein als 90 Minuten live auf Guardian online.
Man erfährt alles, was bei einem Fussballspiel von Bedeutung ist, man kriegt bissige Kommentare, die treffen, und man bekommt Anekdoten zu lesen, die man wirklich hören möchte. Und weil sich über Fussball vortrefflich steiten lässt, fliessen Leserkommentare regelmässig in die Live-Berichterstattung ein.
Vielleicht sollte ich eine Initiative lancieren, dass der Guardian auch die Spiele der Schweizer Nationalmannschaft in sein Programm aufnimmt…

Ralf Simon wrote that wonderful piece on Michael Phelps in the BaZ a few weeks ago, too.
Oh right, you told me. Unfortunately, thanks to the Baz’ online policy, it’s not online.