Wie der Tod der Zeitung unseren Alltag verändern wird
Sunday, 28. December 2008

Vorneweg: So schnell wird die Zeitung nicht sterben. Es gilt die einfache Regel: Je lauter Medienblogger den Tod der Zeitung herbeirufen, desto weiter weg muss er sein. Alleine schon wegen der Logik der Metapher. Wäre der Tod nah, müsste man nicht laut rufen, denn jeder sähe ihn kommen. Und immerhin werden in der Schweiz heute mehr Zeitungen gelesen als je zuvor.
Dennoch ist der Tod der Zeitung ein spannendes Gedankenexperiment. Was es für uns Journalisten und den Journalismus bedeutet, soll an dieser Stelle nicht weiter interessieren. Journalismus lebt von Inhalten und diese haben noch immer ihr Medium gefunden.
Nein, worauf ich hinaus will, ist etwas anderes. Wenn wir dereinst keine Zeitungen mehr lesen, haben wir kein Altpapier mehr. Das klingt angenehm, ist es aber unter Umständen gar nicht. Denn was wir uns viel zu selten überlegen, ist, dass die Zeitung in unserem Alltag zahlreiche Funktionen erfüllt, die gänzlich nicht-medial sind.
Wenn wir keine Zeitungen mehr haben, …:
- …womit stopfen wir unsere regendurchnässten Schuhe aus?
- …womit packen wir unser Geschirr beim nächsten Umzug ein?
- …womit feuern wir den Kamin an?
- …womit decken wir Boden und Möbel beim Malen ab?
- …was verwenden wir als Füllmaterial, wenn wir ein Paket verschicken?
- …womit schützen wir unsere Balkonpflanzen im Winter vor dem Erfrieren?
- …womit packen wir unsere Geschenke ein, wenn wir kein Geschenkpapier zur Hand haben?
- …womit schlagen wir lästige Fliegen tot und befördern Spinnen ins Freie?
Müssen wir dann in den Supermarkt gehen und Zeitungspapier ab der Rolle kaufen?
Kleine Ergänzung: Wenn wir keine Zeitungen mehr haben, haben die Kehrichtverbrennungsanlagen nichts mehr zum anfeuern… Gewusst?
Ich habe meine Tageszeitung abbestellt (Aargauer-Zeitung) weil, sie immer mehr den Blocher verherrlicht hat.
Eine Zeitung soll neutral sein und nicht, mir die Meinung der Redaktion aufzwingen. Jetzt lese ich im Internet alle Zeitungen und bilde mir meine eigene Meinung.
Wenn ich wirklich einmal Papier in den Händen halten will, hole ich mir am Bahnhof eine Gratis Zeitung oder kaufe mir mal den Tagi oder den Blick.
Die Zeitungen sind selber schuld, seit Jahren haben sie nicht viel geändert, an ihrem Konzept, auch wenn das Titelbild ändert, in den Köpfen der Chefs, geht es immer nur ums Geld.Die Zeitungen meinen immer noch sie hätten ein Monopol auf das Verteilen der schriftlichen Erzeugnisse und verlieren ganz langsam aber sicher alles an das Internet. Ganz verschwinden werden die Zeitungen nicht, zwei Arten werden überleben, die Zeitung mit Menschlichkeit und Qualität und natürlich die Gratis-Zeitung. Ein Drittel wird es wohl nicht schaffen, in die neue Zeit, nach der heutigen Kriesenlastigen Zeit.
Liebe Grüsse zentao
Achdumeinegüte, hört das denn nie auf mit dem täupelen gegenüber den bösen bösen Bloggern? Dann wollen wir mal copy/paste spielen und folgende Plattitüde absondern:
“Es gilt die einfache Regel: Je lauter Journalisten den Tod der Blogs herbeirufen, desto weiter weg muss er sein.”
@Matthias
Gut möglich. Wenn du allerdings meinen Artikel richtig gelesen hättest, wüsstest du, dass ich nichts gegen das Medium Blog schreibe, sondern nur die Schweizer Blogszene kritisiert habe.
Ich schreibe: “Am Medium Weblog an sich kann es nicht liegen. Es bietet eine hervorragende, weil einfache und kostengünstige Plattform für Einzelkämpfer, sich mit eigenen Ideen zu profilieren.”
Also, ich fand deinen Artikel gut. Du wurdest daraufhin von einem beachtlichen Teil der Schweizer Blogszene “abgeschossen”. Meiner Meinung nach zu Unrecht:
(1) Dein Artikel hat sicher einer breiten Bevölkerungsschicht Blogs nähergebracht. Denn mir fällt auf, dass immer noch viele (auch gebildete) Leute nicht so recht wissen, was ein Blog überhaupt ist.
(2) Ein bisschen kritikfähiger könnten Herr und Frau CH-Blogger schon sein. Du hast es ja nicht böse gemeint.
@David: Meine Meinung zu deinem Bla-Bla-Artikel habe ich vor rund zwei Monaten hier und auch hier festgehalten.
Wie viele der mehreren tausend Schweizer Blogs liest du regelmässig, und in welchen Sprachen sind diese geschrieben?
@Regina: In der Schweizer Presse, u.a. auch in der Sonntagszeitung, erscheinen seit rund fünf Jahren regelmässig Artikel über Blogs (in zwei oder drei davon wurde auch ich erwähnt). Im deutschen Sprachraum gibt es in den Mainstream-Medien sicherlich hunderte Artikel zum das Thema. Da wird man wohl nicht direkt auf Davids Artikel gewartet haben, um endlich Blogs erklärt zu bekommen. Zumal der Artikel gerade bei diesem Thema ziemlich versagt.
Aber nicht nur in letzter Zeit zeichnen sich diese Artikel häufig durch eklatante Unkenntnis der Materie und/oder offensichtlichen Bias des Journalisten aus. Journalisten müssen schliesslich mit süffigen Storys möglichst viele Zeitungen verkaufen, und nicht trocken und unspektakulär Fakten vermitteln.
Die Diskussion werde ich nicht nochmals aufwärmen. Dazu ist wohl alles gesagt. Es gibt keinen Konsens und das ist auch okay so. Ausserdem geht es im obenstehenden Artikel um etwas anderes.
OK, akzeptiert. Aber die einfache Frage nach den CH-Blogs, die du regelmässig liest, wirst du sicherlich noch beantworten können?
Kommt darauf an, was du unter regelmässig verstehst. Sind wohl so 20 Stück, bei denen ich mindestens wöchentlich vorbeischaue.