Head of Storytelling, NZZ

Die SonntagsZeitung: Ein Print-Riese im digitalen Tiefschlaf

December 28, 2010

Bei keinem anderen Schweizer Medium stehen Stärke der Marke und Schwäche der Onlinepräsenz in einem so krassen Gegensatz wie bei der SonntagsZeitung. Ein ungefragter, dringender Ratschlag an meine ehemaligen Arbeitskollegen:

Die aktuelle Situation

Die SonntagsZeitung ist eine der meistgelesenen Zeitungen der Schweiz, erreicht pro Ausgabe durchschnittlich 771.000 Leserinnen und Leser (Quelle: WEMF). Die Website der SonntagsZeitung lockt pro Monat 71.000 Besucher an, welche die Seite durchschnittlich zweimal besuchen (Quelle: NET Metrix November). In einem Monat mit fünf Sonntagen bedeutet dies, dass die gedruckte Zeitung rund 3.8 Millionen Mal gelesen wird, die Website 0.14 Millionen Mal, um Faktor 27 weniger (in einem Monat mit vier Sonntagen beträgt der Faktor 22). In Worten: Das Potenzial SonntagsZeitung liegt im Netz brach. Ein Blick auf die Website erklärt, weshalb.

Zunächst einmal entspricht Aufmachung und Lesefreundlichekeit nicht dem, was man heute von einer Nachrichtenwebsite erwarten darf. Das Hauptproblem liegt aber in der Content-Strategie. Einzelne (scheinbar zufällig ausgewählte) Inhalte aus der Zeitung werden jeweils in der Nacht auf Sonntag online gestellt. Sie bleiben eine Woche lang über die Navigation abrufbar. Danach sind die Inhalte noch über den Direktlink zu finden, allerdings auch nur gut einen Monat. Zusätzlich zu den eigenen Inhalten werden laufend automatisch Meldungen der Schweizerischen Depeschenagentur SDA in die Website gespiesen. Dies hat den unangenehmen Nebeneffekt, dass die Suchfunktion praktisch unbrauchbar wird, da die Resultate von den SDA-Meldungen dominiert werden. Ein Archiv sämtlicher Artikel ist nur für Abonnenten zugänglich.

Der Denkfehler

Ich kenne die Onlinestrategie der SonntagsZeitung nicht (und zweifle ehrlich gesagt, ob sie bei Tamedia jemand kennt), was aber auffällt: Die jetzige Strategie setzt auf eine Verknappung des (frei verfügbaren) Online-Angebots, vermutlich aus der Überlegung heraus, damit die Printausgabe zu stärken, bzw. zu schützen. Es wird dabei völlig ausser Acht gelassen, dass sich die ökonomische und die inhaltliche Halbwertszeit der Inhalte deutlich unterscheidet. Was ich damit meine: Die direkte Monetarisierung der Inhalte findet innerhalb eines sehr kurzen Zeitfensters statt, nämlich von Sonntagvormittag bis Sonntagnachmittag, wenn die Abonnenten ihre Zeitung erhalten und die Zeitung am Kiosk oder per iPad verkauft wird. Danach sind die Inhalte für die direkte Monetarisierung praktisch wertlos. Niemand kauft am Montag eine Sonntagszeitung. Die inhaltliche Halbwertszeit vieler Artikel ist deutlich länger.

Zum einen sind da die Newsgeschichten, bei denen Sonntagszeitungen ein geradezu obsessives Interesse daran haben, dass sie zitiert werden und bei denen der Anspruch besteht, dass man Themen setzt, die in der folgenden Woche breit diskutiert werden. Der Newswert eines einzelnen Artikels mag am Montag bereits überholt sein, als Ausgangspunkt einer Debatte behält der Artikel aber seine Relevanz. Dies gilt insbesondere auch bei Interviews, die nicht selten öffentliche Diskussionen anstossen. Die Erstpublikation behält ihre Relevanz, solange das Thema aktuell ist.

Zum anderen bietet die SonntagsZeitung in jeder Ausgabe längere Artikel, die über das Wochenende hinaus ihren inhaltlichen Wert behalten: Polit-Analysen, Porträts, Buchkritiken, Reisereportagen, Sonntagsgespräche, um nur einige zu nennen. Solche Artikel lesen sich, wenn sie sachkundig und gut geschrieben sind, auch Wochen oder Monate später noch gut. Manchmal erhalten sie unverhofft neue Bedeutung, wie etwa das lange Interview, das die SonntagsZeitung mit Roman Polanski in Paris geführt hatte, wenige Tage bevor er in der Schweiz verhaftet wurde.

Diesen inhaltlichen Wert, der nach der direkten Monetarisierung am Sonntag übrig bleibt, verschwendet die SonntagsZeitung, indem sie die Texte nicht konsequent im Netz verfügbar macht.

Was die SonntagsZeitung tun sollte

Um ihr Potenzial im Netz zu nutzen, sollte die SonntagsZeitung sämtliche Texte kostenlos online publizieren, spätestens am Sonntagabend, wenn die direkte Monetarisierung der Inhalte ohnehin abgeschlossen ist. Aufgrund der speziellen Lesesituation am Sonntag würde die SonntagsZeitung vermutlich selbst dann nur wenige Print-Leser einbüssen, wenn sie alle Inhalte bereits am Sonntagmorgen online stellen würde. Man nimmt sich am Sonntag Zeit zum Lesen, liest gemeinsam am Frühstückstisch. Die Schwelle, auf den Bildschirm auszuweichen, ist deutlich höher als Wochentags. Man verzichtet auch nicht einfach so auf die (sonntag)morgendliche Zeitungslektüre, nur weil man weiss, dass die Inhalte spätestens am Abend auch online zu finden sind.

Die Website müsste entsprechend so angepasst werden, dass ältere Inhalte leichter zu finden und zu durchstöbern sind. Neben der offensichtlichen Organisation nach Ressorts bietet sich eine Bündelung von Artikeln in übergreifende Themen an. Und selbstverständlich müssten die SDA-Meldungen von der Website verschwinden (damit würden auch jene absurden Situationen vermieden, in denen eine Agenturmeldung zu einem Artikel der SonntagsZeitung auf deren Website zu finden ist, nicht aber der Originalartikel).

Wie die SonntagsZeitung profitieren würde

Indem die SonntagsZeitung ihre Präsenz im Netz ausbaut und damit die Lücke zwischen ihrer Offline-Bedeutung und ihrer Online-Bedeutung zumindest ein wenig schliesst, profitiert die SonntagsZeitung auf verschiedenen Ebenen.

  • Sie stärkt ihre Marke, indem sie auch online als kompetentes Medium wahrgenommen wird.
  • Sie erschliesst indirekte Monetarisierungsmöglichkeiten durch Online-Werbung, indem sie einen nennenswerten Traffic auf ihrer Website erzeugt.
  • Sie erhält Gratiswerbung durch ihre Leser, die Artikel verlinken und über soziale Netzwerke weiterverbreiten.
  • Sie stärkt den Status ihrer Autoren und damit des Mediums als ganzes, indem diese in ihren Kernthemen im Netz stärker wahrgenommen werden.
  • Sie wird als Quelle direkt zitier- und verlinkbar und stärkt damit ihre Position bei Suchmaschinen und als Inputgeberin für öffentliche Debatten.
  • Sie verkauft in letzter Konsequenz mehr Abos, weil sie als Medienprodukt deutlich stärker und konkreter wahrgenommen wird.

Ein Wort zu Social Media

Auch die stetig wichtiger werdene Phäre der Social Media und ihr Potenzial für Inhalteanbieter ignoriert die SonntagsZeitung praktisch gänzlich. Weder bei Facebook noch bei Twitter pflegt die SonntagsZeitung eine offizielle Präsenz (Detail am Rande: Den Twitter-Account @sonntagszeitung hatte ich vorsorglich registriert, als ich noch bei der SonntagsZeitung angestellt war. Inzwischen habe ich ihn der SonntagsZeitung überlassen). Ohne grossen Aufwand könnte hier etwas bewirkt werden. Multimedia-Redaktor Barnaby Skinner macht im Kleinen vor, wie es gehen könnte. Jeweils am Freitag informiert er über seinen Twitter-Account über die Multimedia-Geschichten, die am Sonntag im Blatt sein werden. Eine simple Massnahme, die Nachfrage generiert bei Menschen, die sich möglicherweise wenig für die SonntagsZeitung, jedoch stark für ein bestimmtes Thema interessieren.

Jedes Ressort sollte eine solche Vorschau im Netz anbieten. Und genauso wie die SonntagsZeitung ihre kommende Ausgabe jeweils mit einem Inserat im Tages-Anzeiger anpreist, sollte sie dies bei Facebook tun. Mit Ausnahme von Exklusivgeschichten, die man der Konkurrenz natürlich nicht vorab verraten will, kann man mit solchen Ankündigungen nichts verlieren. Diese Massnahmen funktionierten sogar ohne neue Content-Strategie bei der eigenen Website. Richtig Schwung aufnehmen können die Social Media-Bemühungen der SonntagsZeitung freilich erst dann, wenn sie ihre Inhalte auf der eigenen Website so anbietet, dass die mühelos in die soziale Phäre aufgenommen und dort weiterverbreitet werden können.

  • Pingback: Zürcher Presseverein » Online-Nachhilfe für die “Sonntagszeitung”()

  • http://www.blogstone.net blogstone

    Sehr guter Artikel, du triffst den Nagel auf den Kopf.

  • http://Www.manfredmessmer.ch M.M.

    Halte die Idee für einen ziemlichen Unsinn. Die Sonntagszeitung kann gar nicht mehr wachsen. Online-Werbung bringt ihr kein Geld. Wenn schon Strategie, dann auf Tablets setzen. Facebook ist Minderheitenprogramm für Kaumleser und Twitter eine nette Spielerei ohne Breitenwirkung.

  • Beat

    Ist Faktor 27 denn so schlecht? Wie sieht dieses Mass denn bei anderen Zeitungen/Sonntagszeitungen aus?

  • http://www.davidbauer.ch David Bauer

    @Beat
    Mit anderen Schweizer Sonntagstiteln zu vergleichen ist schwierig, weil keine der anderen Sonntagszeitungen über eine eigene, vom Wochentitel getrennte Website verfügt.

    Andere Wochentitel kommen auf deutlich geringere Faktoren:
    – Weltwoche: 7
    – WOZ: 6
    – Handelszeitung: 4
    – Finanz und Wirtschaft: 3.5

    Auch diese Werte sind nicht wirklich berauschend. Es braucht eigentlich gar keine grossen Rechenspiele. Für eines der grössten Medienprodukte der Schweiz sind 138.000 visits pro Monat schlicht eine lächerlich kleine Zahl.

  • http://www.davidbauer.ch David Bauer

    @Manfred Messmer
    Gegenfrage: Worin besteht denn eine Strategie “auf Tablets setzen”? Und macht dies eine durchdachte Web-Strategie obsolet?

  • http://Www.arlesheimreloaded.ch M.M.

    Wie Sie schreiben, gelangen die wichtigsten Geschichten über sda oder das hauseigene Newsnetz zum Nichtzahlenden Publikum. Die gesamte Ausgabe online zu stellen, wäre angesichts der Konkurrenzlage am Sonntag Unsinn. Denn die Stammleser – und es sind ja recht viele – könnten versucht sein, auf Abo zu verzichten. Als Abonnent der Sontagszeitung, NZZ und Sonntag würde ich das sofort tun.

    Doch grundsätzlich unterliegen Sie bezüglich Halbwertszeit der Artikel einem Irrtum: die ist einiges länger, weil die Beiträge eben gar nie aus dem Papier rauskommen. Papier ist ei. geschlossenes wie die Apps beim iPad. Ich würde als Verlag mit Bezahljournalismus auf Tablets setzen. Mit Newsnetz und 20min im gleichen Haus erst recht.

  • http://www.davidbauer.ch David Bauer

    Nochmals: Was heisst denn “auf Tabets setzen”? Die Inhalte nicht nur auf Papier, sondern auch in einer App verkaufen? Das ist noch keine Strategie. Die entscheidende Frage bleibt, ob die SonntagsZeitung ihre Inhalte weiterhin weitestgehend vom Netz fernhalten will und damit nur auf die direkte Monetarisierung im Zeitfenster bis Sonntagnachmittag setzt.

    Ich habe dargelegt, wie die SonntagsZeitung von einem Strategiewechsel profitieren könnte und warum ich nicht glaube, dass sie damit nennenswert an Zeitungslesern verlieren wird.

  • http://Www.manfred.messmer.ch M.M.

    Vor einem oder zwei Jahren hätte ich Ihnen auch noch zugestimmt. Aber jetzt eben nicht mehr, weil wir seit diesem Jahr das iPad haben. Sie sind mit ihrer Argumentation nicht mehr auf der Höhe der Zeit.

    Es zeigt sich, dass nicht wenige bereit sind für Inhalte zu bezahlen (bin selbst nur noch Sonntags-App-Abonnent). Erstaunlich ist ja, wie viele inzwischen sogar das kostenpflichtige Bild-App gekauft haben.

    DER SPIEGEL liefert gegenüber Print echten Mehrwert mit Videonachrichten (auch abonniert). Das ist die Zukunft der Verlage. Ich wiederhole mich: Zumal Tamedia mit zwei Gratiskanälen die Unbedarften befriedigt.

    Für Newsjunkies wie mich ist die (Gratis)Zukunft bereits da, mit Flipboard und Googlereader.

  • http://www.davidbauer.ch David Bauer

    Sie überschätzen die Bedeutung der Tablets für die Strategie von Medienunternehmen. Natürlich gehört es heute dazu, dass man seine Inhalte auch via Tablet zugänglich macht. Das heißt aber nicht, dass sich damit die eigene Präsenz im Netz erledigt.

    Ein paar Videos und interaktive Grafiken sind ja schön und gut und bieten gegenüber dem Papier einen gewissen Mehrwert. Echter Mehrwert besteht aber in der Verlinkung und der Möglichkeit, Inhalte als (social) bookmarks zu speichern, via Instapaper zu lesen oder über Facebook und Twitter zu teilen. Das ist nur möglich, wenn die Inhalte nicht auf Papier oder in einer App eingeschlossen werden. Deshalb braucht es eine umfassendere Onlinestrategie, wie von mir skizziert.

    Die SonntagsZeitung verschenkt damit ihre Inhalte nicht einfach (und kannibalisiert dabei ihre Printausgabe, wie Sie annehmen), sondern stärkt ihre Position insgesamt über alle Plattformen hinweg.

  • http://Www.manfredmessmer.ch M.M.

    Wir werden uns bei diesem Thema nicht einig werden :-). Sie unterschätzen die Entwicklung bei den Tablets und Smartphones. Das Einzige, das den Verlegern Bauchgrimmen verusacht, sind die 30 %, die Apple abzweigt, plus derVerlust über die Kontrolle der Abonnenten.

    Die geschlossenen Systeme gerade bei Spezialblättern wie WSJ und eben auch Sonntagszeitungen rechnen sich.

    (Auf dem iPad geschrieben :D, das mir inzwischen das Netbook ersetzt; die BaZ nur noch als pdf, meine Frau hat die NZZ umleiten lassen – und, die kommt so gege elf Uhr, wenn überhaupt. Das ist es, was ich meine. )

  • http://www.davidbauer.ch David Bauer

    Nein, wir werden uns tatsächlich nicht einig werden. Aber eins interessiert mich trotzdem noch: Zu welcher Strategie bezüglich Website würden Sie der SonntagsZeitung raten?

  • Fabian

    Schlüssige und längst überfällige Überlegungen. Allenfalls diskutieren müsste man noch, wann genau die Inhalte online verfügbar gemacht werden. Hoffen wir, dass der Artikel den Verantwortlichen der SoZ als Gedankenanstoss dient.

  • http://moritzadler.com Moritz Adler

    Eine kleine Ergänzung dazu: Die Verkaufzahlen der iPad-Magazin-Apps sind seit Monaten rückläufig:
    http://charman-anderson.com/2010/12/29/ipad-magazine-sales-continue-dropping/
    Das betrifft Tech-Magazine wie Wired, aber auch Hochglanz-Hefte wie Vanity Fair. Woran liegts? Die Apps sind zu teuer und bieten zu wenig echten Mehrwert. Vielleicht ist die Verbreitung des iPads auch noch zu gering. Aber 7.000 Ausgaben bei 7 Millionen Geräten ist nun wahrhaftig nicht berauschend für ein Blatt wie Vanity Fair.

    Die BILD-App ist übrigens bei weitem nicht so erfolgreich, wie Döpfner immer behauptet. Er mischt einfach wild die Download-Zahlen der Gratis-App (sehr hoch, möchte man ja mal ausprobieren) mit den eigentlichen Verkaufszahlen. Die Strategie der BILD, die Website auf dem iPad gar nicht mehr anzuzeigen, wird bei der enttäuschenden Entwicklung der App-Verkäufe (bei wachsendem iPad-Markt) wohl grandios scheitern.

    Die Rettung für die Zeitungsbranche wird das iPad oder Kindle nicht sein. Es führt nichts an einer Optimierung der Website vorbei. Guardian und die Zeit machen momentan vor, wie es aussehen könnte. Chrome-Apps wie von der NYT und der Huffington Post sind ebenfalls sehr interessant. Hier sehe ich eine deutliche grössere Chance als in geschlossenen Apps.

  • http://Www.manfred.messmer.ch M.M.

    @david bauer: wenn schon jede Menge Geld in die Hand nehmen, würde ich mich an der Times oder dem WSJ orientieren. Der Onlineportalmarkt ist im Übrigen gesättigt, da gibt es kein Geld mehr für weitere nationale Player zu verdienen.

    @moritz adler: kein Schweizer Portal schafft es je über die Landesgrenze, ergo werden die Zugriffszahlen immer relativ unbedeutend bleiben, Verlinkung hin oder her. Der Guardian hat dank der Universalsprache Englisch einen ganz anderen Markt, beispielsweise in den USA.

    Warum soll ich Wired abonnieren, wenn ich per Rss feed die interessantesten Beiträge frei IPad geliefert bekomme?

    Ihr müsst umdenken. Nicht mehr die einzelnen Verlagsprodukte sind interessant. Google
    Reader plus Flipboard bringen relevante News. Nonstop.

  • http://moritzadler.com Moritz Adler

    Schweizer Medien werden durchaus auch in D und AT gelesen und umgekehrt. Für die NZZ ist D sicher ein relevanter Markt. Selbst wenn nicht: Die TKP in CH sind 8-10 mal höher als in D. Mehr Traffic lohnt sich schon auch in der Schweiz.
    Und Gegenfrage: Warum soll ich eine App kaufen, wenn ich vergleichbare Inhalte auch via RSS bekomme?
    Übrigens ist die Nutzung von RSS und Flipboard sicher toll, wir hier nutzen das auch alle. Aber die breite Masse nutzt RSS überhaupt nicht, die meisten wissen nicht mal wie das geht. Facebook und Twitter nutzen natürlich RSS z.B. für Newsfeed, dass das RSS ist, ist den meisten aber nicht mal bekannt.
    Die Zukunft des selektiven Medienkonsums ist viel wahrscheinlicher Social als in einer App oder via geeky RSS-Reader.

    Noch lesenswert: Wired mit nur noch 30.000 Verkäufen statt 100.000: http://j.mp/exYKaM

  • http://www.davidbauer.ch David Bauer

    @M.M.
    Sie widersprechen sich in Ihrer Argumentation selber. Einerseits argumentieren sie, Medienunternehmen müssten auf eigene Tablet-Apps und nicht auf freie Inhalte im Netz setzen, dann aber schreiben sie: “Ihr müsst umdenken. Nicht mehr die einzelnen Verlagsprodukte sind interessant.”

    Wenn die einzelnen Verlagsprodukte nicht mehr interessant sind (was ich nur bedingt unterschreibe; der von Ihnen beschriebene ekklektische Medienkonsum trifft erst auf eine stark online-affine Minderheit zu), dann sind iPad Apps genauso uninteressant. Genau aus den Gründen, die ich bereits einmal erwähnt habe: sie sind weitgehend geschlossene Systeme. Wer glaubt, jetzt mit Apps das grosse Geld machen zu können, versucht lediglich, das alte Modell von der Zeitung auf das Tablet zu übertragen. Das funktioniert so nicht.

    Nochmals: Ich argumentiere in meinem Artikel nicht, dass die SonntagsZeitung zu einem kostenlosen News-Portal werden soll, das über Werbeeinnahmen zur Cash-Cow werden kann. Sie soll ihre Marke stärken, indem sie die vielen Inhalte, die über den Sonntag hinaus relevant sind, verfügbar macht. Ein Effekt davon wird sein, dass sie Online mehr Werbung verkaufen kann (und die Website so wenigstens nicht mehr kostet als einbringt, wie das aktuell der Fall sein dürfte).

  • LagaV

    Ich halte die Argumentation des Artikels im Bezug auf schnell umsetzbare Verbesserungen für die kostenlos Angebote der Webseite der Sonntagszeitung für schlüssig.

    Mittelfristig wird aber eine umfassendere Betrachtung nötig sein um zu klären wie sich Zeitungen oder die Nachfolgeform von Zeitungen mit professionellem Journalismus, der sich durch Selektion, Aufbereitung und Kommentierung von Inhalten auszeichnet, finanziert wird. Dabei wird es nicht reichen über simple Bezahl-Schranken, iPads und andere elektronische Geräte nachzudenken.

    Für mich hat hochwertiger Journalismus eine Zukunft für die ich gerne bereit bin zu zahlen.

  • http://blog.ronniegrob.com/ Ronnie Grob

    Meldung von heute bei meedia.de: “iPad-Magazinverkäufe in den USA sinken”.

    http://meedia.de/details-topstory/article/ipad-magazinverkufe-in-den-usa-sinken_100032368.html

  • http://Www.manfredmessmer.ch M.M.

    Sagen wir es so: niemand hat ein Rezept (aber jeder flux eine Meldung aus dem Web zur Hand) wie es mit den Verlagen und online weitergeht. Für die Schweiz gilt zumindest, das es zuviele Tageszeitungen gibt. Auch Sonntagszeitungen. Deshalb kann ausser dominanten Portalen wie 20min und Newsnetz (Blick?) keiner wirklich Geld verdienen. Selbst eine NZZ derzeit nicht.

    Eine gute Ausgangslage haben online Medien, welche ihren Content, sorry, ihre redaktionelles Angebot eh schon gratis verteilen. Wenn schon sind es die, die derzeit pennen.

    Was das Verlinken anbelangt: das tut auch nur die Minderheit der (exklusiven) Minderheit. Wie Kommentare in einem Blog schreiben. Und twittern erst recht. Selbst der Autor dieses Blogs bringt es nur auf 900 und ein paar Zerquetschte, also irrelevante Reichweite.

    Noch ein Wort zu Wire et al: Das Problem bei den App-Medien ist, dass wenn der Mythos Papier weg ist, so ein SPIEGEL oder eben auch die SonntagsZeitung auch nur noch ein RSS/Flippboard/PDF-Newsletter ist, frei nach Marshall McLuhan:das Medium ist die Botschaft. Und man merkt, dass RSS-Feeds oftmals die relevanteren News bringen als Verlagstitel. Sogar twitter ist täglich amüsanter.

    Okay, das war’s jetzt von meiner Seite. Genug der Unterhaltung.

  • http://www.davidbauer.ch David Bauer

    Sie bringen gerade alle möglichen Dinge etwas durcheinander. Wenn das ihre Art war, zu demonstrieren, dass niemand ein Rezept hat, so ist es Ihnen gelungen.

    Wirklich klar wird mir noch immer nicht, was an meiner Strategie für die SonntagsZeitung Sie genau kritisieren.

  • http://Www.manfredmessmer.ch M.M.

    Ich kann es gerne wiederholen:

    1. Warum soll ich Content auf einem zweiten Datenträger verschenken, wenn ich mit dem einen richtig Geld mache?

    2. Die Werbung auf dem Papiertäger ist da, während digital kaum jemand Geld verdient.

    3. Bringen Empfehlungen von Nachrichtenagenturen und anderen Medien mehr neugieriges Publikum, Stories und Werbekunden als die Links von Herrn Bauer.

    4. Und das ist jetzt die Sicht des Konsumenten: neigen Journalisten noch immer dazu, ihre Rolle als Interpreten und Ordner des Zeitgeschehens zu überschätzen. Der kundige Leser hat heute Zugang zu so vielen Quellen und Informationen – was soll da noch die SonntagsZeitung mit ihren jeweils ein zwei exklisven Geschichten noch gross bewegen.

    5. Es ist interessant, das ausgerechnet Journalisten von ihren Verlegern das Gratisnetz verlangen.

    Wenn Sie mir auf Twitter folgen: habe eben ein Link zu einem lesenswerten Interview mit Twitter-Gründer gepostet. Führt zu einem Blog :D

  • http://www.davidbauer.ch David Bauer

    1. “Warum sollen wir uns mit Mp3 befassen, wenn wir mit CDs richtig Geld machen?” hiess es in den 90er Jahren bei den grossen Musiklabels. Der Rest ist Geschichte. Was ich damit sagen will: Ein (noch) funktionierendes Geschäftsmodell für die Printausgabe macht ein ergänzendes Geschäftsmodell für den Onlinebereich nicht überflüssig, selbst wenn damit direkt vielleicht nicht das grosse Geld gemacht werden kann. So wie ich das Modell skizziere, kommt es zu keiner nennenswerten Kannibalisierung der Printinhalte, weil die Inhalte online verfügbar gemacht werden, wenn sie auf Papier bereits monetarisiert sind.

    2. Das ist korrekt. Die SonntagsZeitung wird online kaum je grosse Summen verdienen, zumindest nicht im aktuellen Marktumfeld. Darum geht es aber nur sekundär. Primär wird eine stärkung der Onlinepräsenz die Marke SonntagsZeitung als ganze, um damit vor allem auch die Printausgabe stärken.

    3. Das mag sein. Das ganze ist aber kein Nullsummenspiel. All die bisherigen Empfehlungen fallen nicht weg, bloss weil die SonntagsZeitung mehr Inhalte ins Netz stellt, das wäre ja absurd. Das Gegenteil ist richtig: Empfehlungen und Verweise werden zunehmen, weil mehr Verweisquellen online greifbar sind. Zu den klassischen Zweitverwertern wie Nachrichtenagenturen und Newsportalen kommen all jene Menschen hinzu, die interessante Inhalte ihrem Netzwerk via Twitter oder Facebook weiterempfehlen.

    4. Dieses Argument verstehe ich nicht ganz, bzw. verstehe ich nicht, wo der Zusammenhang zur Onlinestrategie der SoZ liegt. Abgesehen davon bin ich anderer Meinung als Sie: Gerade weil heute eine riesige Menge an Quellen verfügbar ist, tut Einordnung und Filterung Not. Die muss freilich nicht von Journalisten kommen, aber Journalisten verfügen über die Fähigkeiten, genau dies zu bieten. Ihre Rolle als Vermittler des Zeitgeschehens haben Journalisten weitgehend verloren, ihre Rolle als Interpreten und Ordner dagegen wird umso wichtiger.

    5. Ich verlange nicht das Gratisnetz, ich schlage ein vernünftiges Geschäftsmodell vor.

  • Diego Quintarelli

    Lieber David

    Vorab zuerst einmal wünsche ich dir ein gutes neues Jahr. Mit Interesse habe ich deinen Beitrag zur Onlineentwicklung der SonntagsZeitung gelesen. Gerne möchte ich nachfolgend einige Punkte zu bedenken geben:

    1.Wir sind überzeugt, dass das „geschriebene Wort“, notabene von der grössten Wochenredaktion der CH seinen Wert hat und folglich deren Inhalte nur bezahlt zur Verfügung stehen.

    2.Das kumulieren von Nutzerzahlen (MACH/ NET Metrix) ist aus Sicht der Marktforschung ein Fehler. Wenn ich deiner Argumentation folgen würde, hätten wir Ende Jahr rund 40 Millionen Leserinnen und Leser bei einer Grundgesamtheit von 4.34 Millionen in der D-CH. – eher schwierig.
    3.Wir sind keine Nachrichtenwebsite sondern ein Wochentitel.

    4.Wie Du weißt verfügt die SonntagsZeitung als einziger Titel in der Schweiz über eine Bundnutzungsstudie welche alle zwei Jahre neu erhoben wird. Darin wird wissenschaftlich belegt, dass vor allem die Soft-Faszikel (Wissen, Trend und Reisen) weit über das Wochenende hinaus („Wissen“ z.B. wird bis Donnerstag der Folgewoche gelesen) – Würden wir sämtliche Inhalte am Sonntag- Abend frei geben, hätte dies einen Effekt auf die verkaufte Auflage.

    Grundsätzlich finde ich es aber schade, dass du während deiner ganzen Zeit bei der SonntagsZeitung (..und die ist ja noch nicht vorbei, wenn ich deine „Gastauftritte“ lese) mir nie eine Frage gestellt hast. Das wäre bei einigen Begegnungen durchaus problemlos möglich gewesen – bzw. ist es immer noch. Komm doch mal vorbei, ich nehme mir gerne Zeit für dich, um noch weitere Überlegungen zu konkretisieren.
    Diego Quintarelli, Verlagsleiter SonntagsZeitung

  • http://www.arlesheimreloaded.ch M.M.

    Ich sag’s ja.

    Wir schreiben inzwischen das Jahr 2011 und nicht mehr 2007 als die Sache noch anders diskutiert wurde.

    Wie gesagt, bin ich bereit für die SoZ zu bezahlen, ich will sie einfach nicht mehr auf Papier. Und auch nicht über einen Browser.

  • Mathias

    Ein paar Gedanken:

    – Der Autor argumentiert im Sinne des neuen Mediennutzungsverhaltens. M.M. argumentiert aus der Perspektive eines traditionalistischen Mediennutzers. Ausserdem: Die Penetration von Tablets in der CH beläuft sich auf ca. 60’000. Damit rettet man keine ganze Branche.

    – Nicht die Batzeli am Kiosk oder die wenigen Fränkli, die via Online-Werbung generiert werden, sind entscheidend für das Überleben einer Medienmakre, und darum gehts bei Printtiteln ja schliesslich. Aufmerksamkeit und Image ist die neue Währung für eine Marke. Und da hilft eine App sicher, aber eben nur bedingt, weil es nur ein Distributionsweg unter vielen ist.

    – Eine App kann eine Webseite nie und nimmer ersetzen. Das beste Medium ist und bleibt der Browser. Das gilt zwar für die Mobil-Nutzung nicht unbedingt, aber wir sprechen hier ja von Diversifikation. Und auf Tablets ist die meistgenutzte App der Safari-Browser ;)

    – Aggregatoren wie Flipboard und dergleichen sind ja nette Spielereien, sie werden jedoch die Strahlkraft einer guten Marke nie und nimmer ersetzen. Und für eine gute, starke Marke, brauchts die Aufmerksamkeit der Masse.

    – Wo ist die Masse: Überall, aber vermehrt auf Facebook. Irgendwann vielleicht auch auf einer anderen Plattform. Das Prinzip von Facebook wird aber so schnell nicht verschwinden, denn das Prinzip von Facebook ist kommunikatives Verhalten bestimmt durch soziale Nähe. Wem folgen die Leute: Ihrer Peergroup und ihren Empfehlungen. Traffic von Facebook überholt den Traffic von Google. Auch in punkto Referrals. Man stelle sich das vor. Die Leute lesen mittlerweile mehr, was ihre Kollegen schreiben und weiterempfehlen, als das was ein SonntagsZeitungs-Journi schreibt. Das sollte der SonntagsZeitung eigentlich zu denken geben. Wer auf Facebook ist, hat Aufmerksamkeit und wird beachtet. Links in der Facebook-App gehen im integrierten Safari-Browser auf (zumindest im iPhone) und nicht in einer App. There you go, Webseite.

    – Bei unter 29-jährigen sind keine Printtitel in den Top Ten Medienmarken. Zuvorderst ist Facebook, danach kommen TV-Stationen und eine Gratiszeitung mit einer guten Cross-Media-Strategie. Needless to say welche. Sobald die Flatrate für Mobile kommt, werden sich die Zeitungsboxen von 20min nicht mehr so schnell leeren.

    – Nutzungsstudien sind nur so gut wie ihre Fragen. Und die sind meistens zielführend im Sinne des Fragestellers. TV- und Radio-Nutzungsstudien sind ein schlechter Witz. Die einzige Nutzungsstudie, die was taugt ist die Onlinenutzungsstatistik. Die lässt sich nämlich nicht fälschen oder beeinflussen. Es sei denn mit einer guten Webseite. Ein Grund mehr für einen guten Web-Auftritt. Ohne gute Webseite ist eine Marke, und insbesondere eine Zeitungsmarke, mit Verlaub, lediglich ein schlechter Witz, erneut.

    – 900 Twitter-Follower sind jede Menge Aufmerksamkeit. Man bedenke das Zielpublikum und der Mulitplikator-Effekt, der ein Sharing, einer Meldung mit sich bringt. 900 Twitter-Follower ist wie eine Schlagzeile an 900 Kiosken in der Schweiz. Na ja, vielleicht etwas übertrieben, aber you get the point. Es sind nicht einfach 900 konsumierende Abonnenten, die stumm und für sich ein Medium konsumieren. Darin zeigt sich ja gerade der Medienwandel.

    – Digital Immigrants können nie verstehen, wie Digital Natives mit dem Internet umgehen. An einem Tag können 6000 Kinder bis zu 1000 verwertbare Inhalte generieren. Das Medium bietet dafür lediglich die Plattform. Ein Medium, dass diese Produktionsmasse auf seiner Plattform vereinen kann und für sich verwerten kann, das hat gewonnen. Es kommt damit auch seiner Bestimmung näher. Ein Medium ist per definitionem ein Übermittler von Informationen. Dementsprechend ist auch McLuhan verhaltet: Nicht das Medium ist die Botschaft, sondern der Produzent der Botschaft auf einem Medium ist die Botschaft. Und das sind Alle und nicht bloss eine Medienmarke. Medien, die ihre Rolle als Umschlagplatz von Meinungen nicht akzeptieren können, bleiben One-way-Kommunikationsmittel, die irgendwann ihre Stimme verlieren. Und die SonntagsZeitung ist heuer def. ein One-Way-Kommunikationsmittel. Sie könnte aber am Sonntag zum Marktplatz der Meinungen werden und würde damit zu einer der stärksten Medienmarken der Schweiz werden.

  • matü

    Also im E-Paper (gibts ja für die Abonennten) sollte die Möglichkeit bestehen, dass man sie auf facebook mit seinen Freunden teilen kann. Weil heute besteht ja nur die Möglichkeit, dass man sie per E-Mail versenden kannn…sehr unpraktikabel.

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