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Fünf Freunde auf Eroberungstour

December 20, 2007 (updated on October 24, 2009)

Bubentraum und Pièce de Résistance: In England Fuss zu fassen, ist das Ziel vieler Schweizer Bands. Doch der Weg dorthin ist weit und beschwerlich. Auch die Baselbieter Mañana wollen das Mutterland des Pop erobern. Die baz hat sie begleitet.

DAVID BAUER, London, Text und Fotos

Medium: Basler Zeitung
Ressort: Kultur
Datum: 18. Oktober 2005

MañanaMañana

Kaum sind die letzten Töne von «Miss Evening» ausgeklungen, stürmt ein fest gebauter Brite auf Sänger Manuel Bürkli zu und schüttelt ihm anerkennend die Hand. Später sagt er zur Band: «Passt gut auf ihn auf – he’s a diamond.» Mañana, die Rohdiamanten aus der Schweiz, haben im Dublin Castle in London für manch staunendes Gesicht gesorgt. Auch der Mischer im Londoner Club ist verblüfft. Er setze hier jede Woche ein Dutzend Bands in Szene, aber solch eine professionelle Gruppe habe er noch selten gesehen.

«Für uns geht mit dieser Tour ein Bubentraum in Erfüllung», erzählt Bürkli. Im gleichen Atemzug fügt er hinzu: «Wir nehmen diese Gigs in England sehr ernst.» Will heissen: Mit den Auftritten in England haben Mañana ihr Ziel nicht etwa schon erreicht, vielmehr sollen sie erst das Sprungbrett für höhere Ziele darstellen. Dies sind etwa ein Plattendeal in England, regelmässige Touren im Ausland. Und so ist das Konzert im Dublin Castle nicht bloss das erste von fünf Konzerten einer kleinen Englandtour. «Wir sind hier, um uns die Türen ins britische Musikgeschäft aufzustossen», sagen die ambitionierten Musiker ohne falsche Bescheidenheit.

MañanaMañana

COLDPLAY. Die Vorzeichen stehen gut an diesem Abend. Das Dublin Castle in Camden ist eines der angesagtesten Lokale in London. Die Libertines wurden hier entdeckt, Coldplay und Blur haben hier schon gespielt, obschon der Club nicht grösser ist als die Kuppel in Basel. Und die «Locals» bestätigen: Dies ist der «place to be» für aufstrebende Bands. Für das Quintett gilt dies umso mehr, als Talentspäher von verschiedenen englischen Independent Labels sowie vom Major-Label Sony BMG gekommen sind, um es zu beobachten. Mañana spielen an diesem Abend als Headliner: knapp eine Stunde Zeit, sich zu empfehlen.

Eine kleine Bookingagentur aus London hat Mañana diesen Auftritt, wie auch die anderen in England, ermöglicht. Dabei war zwei Tage zuvor noch nicht einmal klar, ob die Band an diesem Abend überhaupt spielen kann. Das ursprünglich vorgesehene Engagement in einem anderen Lokal hatte sich kurzfristig zerschlagen – scheinbar ein Missverständnis. Es passt zu Mañana, dass nicht bloss ein Ersatz gefunden wurde, sondern dieser gar besser ist als der geplante Auftrittsort. Ihre bisherige Karriere liest sich wie eine Erfolgsstory.

PLATTENDEAL. Bisher ist bei den Baselbietern alles sehr schnell gegangen. 2002 gegründet, ein Jahr darauf grosse Schweiztour als Vorgruppe der Lovebugs, erste Platte: die EP «Fast Days». 2004 der Durchbruch: Sechs Millionen Gamer können «Miss Evening» auf dem Soundtrack zu Fifa05 hören. Das Tor zur weiten Welt ist aufgestossen. Dieses Jahr Tour durch Deutschland, Schweden, Holland, Österreich. Und nach den Auftritten in England wartet Mitte November ein weiterer Höhepunkt: das Konzert an der AVO Session im Vorprogramm von A-Ha.

In England sind Mañana nun an einem Punkt angelangt, wo schon viele Basler Bands vor ihnen waren: Ein Plattendeal im Epizentrum der Popmusik scheint in Griffnähe. Weiter hat es allerdings noch keine Band aus Basel gebracht; scheinbar viel versprechende Kontakte sind jeweils plötzlich abgerissen, die Hoffnungen zerplatzt (siehe Artikel unten). Oft reicht schliesslich das Geld nicht aus, um den englischen Markt genügend lange und intensiv zu bearbeiten.

MañanaMañana

WUNSCHDENKEN. Die Bedingungen sind ungleich härter als in der Schweiz. Was hierzulande Standard ist, ist in England Wunschdenken: In der Schweiz wird selbst eine unbekannte Band bei der Ankunft im Lokal begrüsst, Getränke stehen im Backstage-Bereich kostenlos zur Verfügung, vor dem Konzert gibt es ein Nachtessen und nach dem Gig wird eine Gage ausbezahlt. In England heisst es dazu viermal: no! Bei der Ankunft ist die zuständige Person nicht da, die Getränke holt sich die Band an der Bar (Foster’s Lager, Pint: £ 2.40), Essen gibt es auf eigene Kosten beim Italiener vis-à-vis und nach einer Gage braucht man gar nicht erst zu fragen. Diese Bedingungen gelten zwar für alle aufstrebenden Bands, doch fallen sie für die Band aus dem Baselbiet bedeutend mehr ins Gewicht – bei einer Anreise von 921 Kilometern aus Lausen.

Normalerweise ist die erste Tour im Ausland für eine Band deshalb ein Minusgeschäft. Einnahmen gibt es praktisch keine, dagegen ist die Spesenrechnung lang. Ein Tourbus muss gemietet werden, viel Benzin bezahlt, dazu Verpflegung und Unterkunft. Die Bandmitglieder übernachten nach dem ersten Konzert in London im Büro ihrer Bookingagentur, mit Campingmatte und Schlafsack auf dem Boden. Ob es sich so gut träumen lässt vom Auftritt am kommenden Abend im Neubau des legendären Beatles- Konzertlokals, dem Cavern Club in Liverpool?

Wer im Ausland Fuss fassen will, muss auf gewohnten Luxus verzichten, Durchhaltewillen beweisen und erstmal investieren. Für Mañana steht am Ende der Tour allerdings eine schwarze Null, wie Manager Marc Allenspach zufrieden feststellt. «Wir haben überall gespart, wo es möglich und sinnvoll war», erklärt Allenspach. Die Ausgaben von rund 5000 Franken werden mit Unterstützungsgeldern zweier Stiftungen aus der Schweiz und dem Jeanshersteller Lee gedeckt.

KÄMPFEN! Am vergangenen Samstag sind Mañana von ihrer Tour zurückgekehrt. Die Band und ihr Manager sind zufrieden. «Wir haben über 100 CDs verkauft, wichtige Kontakte geknüpft und das Interesse der Labels geweckt», sagt Allenspach. Es wird nun vieles davon abhängen, ob die Aufnahmen für das kommende Debütalbum das halten, was die Songs live versprechen. Im schnelllebigen Musikbusiness brechen Kontakte schnell ab; die Labels verlieren ihr Interesse an einer aufstrebenden Band, wenn das Songmaterial nicht den hohen Erwartungen entspricht. Ausgerechnet hier läuft nicht alles nach Plan. Eigentlich hätte das Album bereits diesen Herbst erscheinen sollen.

PERFEKTIONISTISCH. Doch mit den ersten Aufnahmen war man derart unzufrieden, dass man sich vom Produzenten Yann Roullier getrennt hat und nochmals von vorne begann. Ende Jahr soll nun das Album fertig sein; bis dahin wird perfektionistisch an den Songs gefeilt. Wenn man den Musikern beim Kritisieren der eigenen Rohfassungen zuhört, kann man erahnen, wie wichtig ihnen ihr Debütalbum ist.

Doch selbst wenn das Album wunschgemäss gelingen sollte, ist dies noch kein Passepartout für das grosse Musikbusiness, schon gar nicht für den englischen Markt. Band und Management müssen weiterhin das tun, was Sebastian Hausmann von «Baschi and The Fucking Beautiful» ihnen mit auf den Weg gibt: «Kämpfen, kämpfen, kämpfen».

www.manana.fm

«Die Briten wollen englische Bands»

Noch hat keine Basler Gruppe in Grossbritannien Fuss fassen können
DAVID BAUER

England zieht die britisch orientierten Basler Bands geradezu magisch an. Doch der Sprung über den Ärmelkanal ist kein leichter, war dort bislang keiner Basler Band der Durchbruch vergönnt. Musiker mit einschlägigen Erfahrungen ziehen Bilanz.

Sebastian Hausmann, ehemaliger Bassist der Lovebugs und heute Kopf von Baschi and The Fucking Beautiful, kann die Faszination vieler Basler Bands für den britischen Markt gut nachvollziehen. «In England Konzerte zu spielen, ist grossartig, und Bands werden von Radios und Presse gut unterstützt.» Erkennt aber auch die Schattenseiten. Er hat zwei Jahre lang in London gelebt und Musik gemacht, ist vor einem Jahr ans Rheinknie zurückgekehrt. Was er durch Konzerte verdient hat, reichte nicht aus, um das teure Leben in London zu finanzieren. Heute fliegt Baschi für einzelne Konzerte auf die Insel. Einen Plattenvertrag konnte er während seiner Zeit in England nicht abschliessen. «Natürlich gab es immer wieder Labels, die Interesse zeigten», sagt er, «aber konkret ist es selten geworden.»

verschlampt. Entmutigen lässt sich Baschi Hausmann indes nicht, im Gegenteil: Er ist überzeugt, dass es mit seiner nächsten Platte klappen kann. Anders lag der Fall bei den Lovebugs. Sie hätten die Möglichkeit gehabt, Konzerte in England zu spielen, aber die Band habe die Chance nicht wahrgenommen, erklärt Baschi. Man habe es schlicht «verschlampt». Mit-tlerweile haben die Lovebugs ihren Fokus auf den asiatischen Markt verschoben.

In England könnten nur die wirklich grossen Bands richtig Geld verdienen, für alle anderen, zumal ausländische, sei es ein hartes Pflaster. Denn, so Baschi lakonisch: «Die Engländer wollen nur englische Bands.» Chris Weber, in den neunziger Jahren Gitarrist der Wondertoys, hat dieselben Erfahrungen gemacht: «Die Engländer haben überhaupt kein Interesse an ausländischen Bands – die Szene ist wahnsinnig versnobt.» Das Musikschaffen ausserhalb der Insel werde kaum wahrgenommen, als Schweizer Band habe man mit Vorurteilen zu kämpfen.

reizvoll. Dem widerspricht der Singer/Songwriter Christoph Baumgartner alias Baum vehement: «Wenn das britische Publikum spürt, dass du mit Leidenschaft bei der Sache bist, ist es ihm vollkommen egal, woher du kommst.» England sei für Schweizer Musiker «die grösste Herausforderung überhaupt» – aber eine reizvolle. «Wenn du gut bist und nicht zu bequem, hart an dir zu arbeiten, dann ist England zu knacken», ist Baum überzeugt.

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