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	<title>David Bauer. Journalist. &#187; Artikel</title>
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		<title>Konsequent weiter zu neuen Ufern</title>
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		<pubDate>Sun, 13 Jun 2010 13:01:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>David Bauer</dc:creator>
				<category><![CDATA[Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[persönlich]]></category>

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		<description><![CDATA[&#8220;Stay who you are and keep changing&#8221; ist ein Ratschlag, den ich guten Freunden gerne gebe. Da gebürt es sich selbstverständlich, dass ich mich selber auch daran halte. Konkret heisst das: Ich habe Ende Mai meine Stelle bei der SonntagsZeitung aufgegeben und arbeite ab sofort frei an zahlreichen Projekten, alle verbunden mit einem gemeinsamen Nenner: [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>&#8220;Stay who you are and keep changing&#8221; ist ein Ratschlag, den ich guten Freunden gerne gebe. Da gebürt es sich selbstverständlich, dass ich mich selber auch daran halte. Konkret heisst das: Ich habe Ende Mai meine Stelle bei der SonntagsZeitung aufgegeben und arbeite ab sofort frei an zahlreichen Projekten, alle verbunden mit einem gemeinsamen Nenner: Sie drehen sich um die Dinge, die ich am besten kann und die mir am meisten Spass machen.<span id="more-861"></span></p>
<p>Mein Hauptprojekt, wenn man so will, ist das Buch, an dem ich seit Anfang Jahr arbeite. Es soll ein Kompass für das digitale Leben werden, der Antworten liefert auf Fragen, die sich nicht googlen lassen; der Fragen aufwirft, auf die wir in naher Zukunft Antworten finden müssen, wenn uns die ferne Zukunft nicht entgleiten soll; der bereits verankerte Ansichten über das digitale Leben herausfordert und Diskussionen anregt. Geplanter Erscheinungstermin ist Ende 2010.</p>
<p>Daneben werde ich weiterhin als Journalist arbeiten, unter anderem für die SonntagsZeitung (gerade heute beispielsweise erscheinen: &#8220;<a href="http://bit.ly/9AoNUs">Eines für alle, alle für eines</a>&#8220;, eine Rekapitulation der Reise des iPhones zum Mittelpunkt unseres Lebens). Und natürlich werde ich weiter <a href="http://www.78s.ch">78s &#8211; Das Magazin für bessere Musik</a> als Geschäftsführer und Herausgeber betreuen und nun hoffentlich auch wieder vermehrt als Autor in Erscheinung treten.</p>
<p>Die neu gewonnene zeitliche Flexibilität und Freiheit werde ich vor allem dazu nutzen, meine Expertise im Bereich neue Medien und Kommunikation in verschiedene Projekte und Veranstaltungen einzubringen (und damit das, was ich mit meinem Engagement als Gastdozent am <a href="http://www.maz.ch">MAZ &#8211; Die Schweizer Journaslistenschule</a> begonnen habe, weiter ziehen). Mehrere interessante Anfragen und Ideen liegen auf dem Tisch &#8211; mehr dazu später.</p>
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		<title>«Als Grüner bin ich in meiner Karriere öfter angeeckt denn als Schwuler»</title>
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		<pubDate>Mon, 10 May 2010 15:39:20 +0000</pubDate>
		<dc:creator>David Bauer</dc:creator>
				<category><![CDATA[Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[interview]]></category>
		<category><![CDATA[sonntagszeitung]]></category>

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		<description><![CDATA[Der Berner Erziehungsdirektor Bernhard Pulver über seine Ambitionen, erster grüner Bundesrat zu werden, den drohenden Lehrermangel und warum er lieber in Zürich als in Bern essen geht. Am 9. Mai 2009 in der SonntagsZeitung erschienen. Herr Pulver, mit 18 Jahren haben Sie die Grüne Partei Schweiz mitgegründet. Wie wird man als junger Mann derart politisch? [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Der Berner Erziehungsdirektor Bernhard Pulver über seine Ambitionen, erster grüner Bundesrat zu werden, den drohenden Lehrermangel und warum er lieber in Zürich als in Bern essen geht.<span id="more-876"></span></p>
<p><em>Am 9. Mai 2009 in der SonntagsZeitung erschienen.</em></p>
<p><strong>Herr Pulver, mit 18 Jahren haben Sie die Grüne Partei Schweiz mitgegründet. Wie wird man als junger Mann derart politisch?</strong></p>
<p>Für mich waren zwei Dinge ausschlaggebend. Das eine war die Umweltpolitik. Es wollte mir nicht in den Kopf, dass man durch das Simmental, aus dem meine Mutter kommt, eine Autobahn bauen wollte. Zum anderen war mir damals schon wichtig, eine Veränderung herbeizuführen, hin zu einer offeneren und lebendigeren Gesellschaft.</p>
<p><strong>Erfüllen die Grünen 2010 Ihre damaligen Erwartungen?</strong></p>
<p>Vermutlich hat nicht nur die grüne Bewegung an Reife gewonnen (lacht). Die Grünen haben sich als Partei etabliert. Heute können wir die Themen wirklich in der Breite diskutieren und gute Politik machen. Früher waren wir eine Aufbruchbewegung, eine Protestpartei. Heute stehen wir in 48 Gemeinden und in sieben Kantonen in der Regierungsverantwortung.</p>
<p><strong>Im Kanton Bern übertrifft das Vertrauen in Ihre Person das in Ihre Partei. Wie haben Sie das Glanzresultat bei der Regierungsratswahl geschafft?</strong></p>
<p>Offenbar schätzen die Bernerinnen und Berner meinen Stil. Eigentlich müsste mich das überraschen. Man hat mir zwanzig Jahre lang gepredigt, ich müsse als Politiker pointierter auftreten, ich soll nicht zu sehr differenzieren, sondern polarisieren. Aber die Realität ist komplizierter. Meine Position braucht halt fünf Zeilen mehr, doch am Schluss kommt sie beim Wähler an. Die Leute haben genug vom Pingpong zwischen den Polen.<br />
<strong><br />
Nicht unbedingt. Die SVP polarisiert am stärksten und ist damit am erfolgreichsten.</strong></p>
<p>Leider. Die SVP hat eine Politik etabliert, die primär den Gegner runtermacht und dessen Standpunkt nicht als Beitrag zur Lösung akzeptiert. Darunter leidet die Politik seit Jahren stark.<br />
<strong><br />
Müsste die Linke der SVP entschlossener entgegentreten?</strong></p>
<p>Anders: Unsere Seite mauert zu häufig. Die SVP hat in der Ausländer- und in der Sozialpolitik Themen aufs Tapet gebracht, und die Linke hat nur versucht, abzublocken – da nehme ich mich selber nicht aus. Wer Fragen zu Ausländern aufwirft, ist nicht automatisch ein Rassist. Menschen, die beunruhigt sind, stellen sich Fragen. Wenn wir diese nicht aufnehmen, treiben wir die Menschen in die Arme der SVP.</p>
<p><strong>Man darf Ausländer also als Problem sehen. Hier sprechen Sie nicht wie ein Linker. Bei den Grünen denken viele anders.</strong></p>
<p>Stimmt. Ich sehe aber Ausländer nicht als Problem. Ich vertrete jedenfalls nicht eine Position, die à tout prix zur Mitte hin zielt.</p>
<p><strong>Aber?</strong></p>
<p>Wir müssen ausstrahlen, dass wir nicht in politischen Positionen festgefahren, sondern auch für Ideen anderer offen sind. Das heisst nicht, dass wir abkupfern. Wir verbessern aber unsere eigenen Positionen, wenn wir berechtigte Einwände anderer berücksichtigen. Dennoch müssen wir klarstellen, dass wir links stehen.</p>
<p><strong>Um sich von den Grünliberalen abzugrenzen?</strong></p>
<p>Wir müssen stärker zeigen, dass wir die Partei sind, die versucht, Brücken zu bauen. Das haben wir in der Vergangenheit zu wenig getan. Dabei sind es die Grünen, die über die eigenen Positionen hinausdenken – nur merkt das die Bevölkerung noch nicht richtig.</p>
<p><strong>Mit welcher Einschätzung liegen die Wähler denn falsch?</strong></p>
<p>Mit dem SP-Vergleich. Wir Grünen sind nicht einfach die umweltfreundlicheren Sozialdemokraten. Dass die SP weiterhin die Überwindung des Kapitalismus will, löst bei mir Kopfschütteln aus. Die Marktwirtschaft, sozial und ökologisch reguliert, ist ein gutes System.</p>
<p><strong>Ist das die Position, mit der die Grünen hoffen, 2011 auf die proklamierten 15 Prozent Wähleranteil zu kommen?</strong></p>
<p>Ich glaube weiterhin, dass wir mit unserer Politik mindestens 15 Prozent erreichen können – vielleicht nicht schon nächstes Jahr, aber die Grössenordnung bleibt unser Ziel.</p>
<p><strong>Dafür müssten die Grünen eben doch auf die Mitte zugehen. Wäre es sinnvoll, vereint mit der GLP in die Wahlen zu steigen?<br />
</strong><br />
Das wird schwierig, weil die Grünliberalen sich zu uns abgrenzen – was ich schade finde. Mit dem liberalen Gedankengut haben wir einen wichtigen Berührungspunkt mit der GLP. Auch wir sind für Freiheit ohne Einheitslösungen, auch wir haben ein kritisches Verhältnis zum Staat. Darum müssen wir unsere Hand deutlicher zur GLP ausstrecken.</p>
<p><strong>Der gestern im Amt bestätigte Parteichef Leuenberger dachte einst darüber nach, der SVP die Hand zu reichen, um zu einem Bundesratssitz zu kommen.<br />
</strong><br />
Ich habe kein Problem, mich mit der SVP an einen Tisch zu setzen. Ob es aber eines Deals mit ihr bedarf, um in den Bundesrat zu kommen, stelle ich infrage. Für mich stehen die politischen Inhalte im Vordergrund, und da sind die Differenzen zur SVP in vielen Punkten fundamental.</p>
<p><strong>Wann sitzen die Grünen im Bundesrat?</strong></p>
<p>Ich kann mich noch an Debatten in den Neunzigerjahren erinnern, als Teile der Partei meinten, die Grünen müssten eine Oppositionspartei bleiben. Doch das kann nicht das Ziel einer Partei sein, die politischen Einfluss haben will. Wir müssen auf allen drei Ebenen in die Exekutiven. Der Einwand dagegen ist immer: Dann verlören wir unsere Unschuld und würden zu einer etablierten Partei. Na und? Wir wollen doch unsere Anliegen umsetzen. Wir haben in den Gemeinden Erfolg, in den Kantonsregierungen, warum nicht auch im Bundesrat?</p>
<p><strong>Weil derjenige, wegen dem die Grünen ihre Unschuld verlören, Bernhard Pulver heissen könnte. Sie wollen doch Bundesrat werden, oder?</strong></p>
<p>(lacht) Das geht alles zu schnell. Vor ein paar Jahren hätte ich nicht gedacht, dass ich Regierungsrat sein könnte. Ich hatte das nie als Karriereziel. Bundesrat schon gar nicht. Darum: Ich kann das nicht sagen. Es kommt sowieso anders, als man denkt. Ich entscheide, wenn sich die Frage stellt.<br />
<strong><br />
Wir haben Sie eben gestellt.</strong></p>
<p>Es freut mich, dass meine Arbeit derart geschätzt wird, dass ich als Kandidat gelte. Mein Job ist aber die Regierungsarbeit in Bern, und da bin ich noch lange nicht am Ende. Und vielleicht wollen die Grünen, wenn es so weit ist, lieber mit einer Frau in den Bundesrat oder mit einem Welschen.</p>
<p><strong>Was würde Sie reizen am Amt des Bundesrats?</strong></p>
<p>Ganz klar die Möglichkeit, die schweizerische Politik mitzugestalten. Und dass man Menschen beeinflussen kann mit der Art, wie man an Dossiers herangeht, wie man mit Partnern zusammenarbeitet, wie man zu Themen Stellung nimmt. Ich glaube, mir ist es schon als Erziehungsdirektor gelungen, die Haltungen der Menschen zu verändern. Das würde mich auch im Bundesrat reizen.</p>
<p><strong>Was spricht also gegen eine Kandidatur?</strong></p>
<p>Die extreme Öffentlichkeit. Als Regierungsrat bin ich zwar in Bern bekannt, aber schon in Freiburg oder Zürich kennt mich keiner. Und ich habe den Eindruck, Bundesräte seien sehr weit von ihren Geschäften weg. Als Regierungsrat arbeite ich nahe genug an den Dossiers, um bei der Umsetzung von Gesetzen mitdenken zu können. So weiss ich nicht, ob einen die Arbeit als Bundesrat genauso glücklich macht wie die als Regierungsrat. Ich muss mich da glaub mal informieren. (lacht)<br />
<strong><br />
Stehen Sie denn nicht gerne in der Öffentlichkeit?</strong></p>
<p>Nein, nicht besonders. Als Grossrat freut es einen noch, wenn man erkannt wird. Seit ich Regierungsrat bin, merke ich, die Mehrheit der Leute in einem Berner Lokal weiss, wer ich bin. Wenn ich müde bin oder schlecht gelaunt, kann ich darum nicht mehr loslassen. Darum fühle ich mich beim Nachtessen in Zürich wohler als in Bern.</p>
<p><strong>Würden Sie in die Bundesregierung gewählt, konzentrierte sich alles darauf, dass Sie der erste bekennende schwule Bundesrat wären.</strong></p>
<p>Ich habe in den letzten 25 Jahren nie den Eindruck gehabt, auf diesen Punkt reduziert zu werden. Doch natürlich ist es Teil meiner Funktion, Jugendlichen, die vor dem Coming-out stehen, ein Vorbild zu sein und ihnen zu zeigen: Schwulsein ist kein Problem. So gesehen wäre das kein Hinderungsgrund, um Bundesrat zu werden. Im Gegenteil, eigentlich wäre es wichtig, dass einmal einer Bundesrat wäre, der offen zu seiner Homosexualität steht.</p>
<p><strong>In anderen Bereichen, im Sport zum Beispiel, ist Homosexualität noch immer ein Tabu. Was muss geschehen, damit sich auch Fussballer outen?</strong></p>
<p>Die Selbstverständlichkeit, mit der Künstler, aber auch Politiker offen mit ihrer Homosexualität umgehen, trägt dazu bei, dieses Tabu zu brechen. Doch das braucht Zeit. In manchen Bereichen ist die Vorstellung von Männlichkeit klarer ausgeprägt als in anderen. Bei diesen werden wir etwas mehr Geduld brauchen.</p>
<p><strong>Sie meinen, es ist eine Frage der Zeit, bis Homosexualität kein Thema mehr ist?</strong></p>
<p>Nein, es wird nie vom Radar verschwinden. Es wird nie mehr als fünf bis zehn Prozent Schwule und Lesben geben, wir werden immer eine Minderheit bleiben. Und es wird schwierig sein, dazu zu stehen. Denn die Eltern stehen nicht von Anfang an auf derselben Seite. Ein Immigrantenkind in der Schweiz hat Eltern, die in derselben Situation sind. Und bei einem behinderten Kind wissen die Eltern von Geburt an, dass das Kind anders ist. Als Homosexueller muss man den Eltern im schwierigen Alter von vielleicht 15 Jahren beibringen, dass man anders ist.<br />
<strong><br />
Ist Ihnen Ihr eigenes Coming-out auch schwergefallen?</strong></p>
<p>Nein, es war eigentlich recht einfach: Einmal, als ich Liebeskummer hatte und meine Eltern mich getröstet haben, habe ich mich durchgerungen, ihnen zu sagen, ich sei nicht wegen eines Mädchens traurig. Sie haben das sehr gut aufgenommen. Meine Eltern waren immer sehr aufgeschlossen. Andere haben es da sicher viel schwerer.<br />
<strong><br />
Sind Sie mit Ihrer Homosexualität in Ihrer Karriere jemals auf Widerstände gestossen?</strong></p>
<p>Nein, nie. Als Grüner bin ich öfter angeeckt denn als Schwuler. (lacht)</p>
<p><strong>Ihr Lieblingsfilm, haben Sie mal gesagt, ist «Der Club der toten Dichter». Was fasziniert Sie an diesem Film?</strong></p>
<p>Dieser Lehrer, John Keating. Er hat in einem verkrusteten Internat mit Poesie die alten Strukturen durchbrochen und junge Menschen zu selbstständigem Denken angeregt. Klar, dass er damit auf grossen Widerstand stösst.</p>
<p><strong>Sind Sie ein John Keating?</strong></p>
<p>Das habe ich mir noch nie überlegt. Aber wenn das so wäre, wäre das wunderbar.<br />
<strong><br />
Am Ende wird Keating von den Schülern zwar geliebt, aber vom Internat verjagt.</strong></p>
<p>So ist es. Das zeigt, wie schwierig es ist, Wandel herbeizuführen. Das ist mir auch eine Warnung, bei all den positiven Reaktionen, die ich seit meinem Wahlerfolg erhalten habe, nicht abzuheben. Die Stimmung kann schnell drehen. Vielleicht mache auch ich irgendwann einen Fehler, bei dem mich alle fallen lassen.</p>
<p><strong>Haben Sie Angst davor?</strong></p>
<p>Nein. Als ich die Erziehungsdirektion übernommen habe, hat man mich gewarnt, das Amt sei ein Schleudersitz. Ich habe mich damit auseinandergesetzt, wie ich damit umgehen würde, wenn plötzlich alle fänden, ich sei nicht mehr tragbar. Ich will gehen, wenn ich merke, ich kann nichts mehr bewirken.<br />
<strong><br />
Dann empfehlen Sie Bundesrat Merz also den Rücktritt?</strong></p>
<p>Ui &#8230; das wird jetzt extrem heikel. (zögert) Ich habe mir schon bei ein paar Politikern überlegt, ob ich an ihrer Stelle noch bleiben würde. Ich möchte allerdings keine Namen nennen. Letztlich ist das immer ein ganz persönlicher Entscheid. Aber ich denke, ich würde in Merz’ Situation den Hut nehmen. Doch ich weiss nicht wirklich, wie es ist, wenn man in so eine Lage kommt.<br />
<strong><br />
Es kommt wohl darauf an, ob man sich ein Leben nach der Politik vorstellen kann. Haben Sie Pläne für die Zeit danach?</strong></p>
<p>Am liebsten würde ich nochmals studieren, Kunstgeschichte und Literatur. Und unterrichten.<br />
<strong><br />
Im verschulten Bologna-System?</strong></p>
<p>Ich bin jemand, der sich mit bestehenden Situationen gut arrangieren kann und nicht ständig hadert. Schon damals, als ich studiert habe, habe ich das Studium als verschult wahrgenommen. Man konnte sich trotzdem seine Freiräume schaffen. Aber klar, man sollte wieder von dieser Verschulung wegkommen.<br />
<strong><br />
Wo genau fordern Sie Korrekturen?</strong></p>
<p>Erstens beim Druck, das Studium möglichst schnell durchzuziehen. Das Schnelle ist nicht immer das Beste. Wer ein Jahr oder zwei länger studiert, hat diese Zeit nicht zwingend vergeudet. Zweitens muss die Fächerwahl flexibler werden, gerade in den Geisteswissenschaften. Bologna schreibt nicht vor, Studiengänge durchzustrukturieren. Drittens die Präsenzpflicht. Es macht keinen Sinn, Studierende in Vorlesungen zu zwingen, wenn am Semesterende eine Prüfung anfällt.</p>
<p><strong>Bürgerliche Politiker fordern, die Unis müssten sich stärker am Arbeitsmarkt ausrichten.</strong></p>
<p>Nicht nur bürgerliche. Auch von links höre ich das vermehrt. Doch davor warne ich. Die Universitäten sind ein grosser wirtschaftlicher Trumpf der Schweiz. Es wäre falsch, sie zu Berufsbildungsstätten zu degradieren. Universitäten müssen Orte des freien Denkens bleiben. Diese braucht unser Bildungssystem, weil ihre Absolventen auch für die Gesellschaft von morgen denken müssen. Viele bahnbrechende Fortschritte wurden mit Forschungen erzielt, für die auf den ersten Blick kein aktueller Nutzen ersichtlich war. Gerade deshalb finde ich es wichtig, dass man bei einer Neuorganisation der eidgenössischen Departemente die Bildung nicht einfach dem Wirtschaftsdepartement anhängt. Bildung ist mehr als nur ein Wirtschaftsfaktor.<br />
<strong><br />
Unsere «Orte des Denkens» kosten viel Geld. Sollten wir für Studierende aus dem Ausland höhere Studiengebühren verlangen?</strong></p>
<p>Die Schweizerische Universitätskonferenz, deren Präsident ich bin, hat dazu keine einheitliche Haltung. Man müsste sich in dieser ganzen Diskussion einmal überlegen, was man mit den höheren Gebühren überhaupt erreichen will. Will man die Anzahl ausländischer Studierender beschränken? Für grosse Universitäten wie Bern, Zürich oder Basel kann das nicht das Ziel sein. Wir sind in Bern sogar bestrebt, einen hohen Anteil ausländischer Studierender zu erzielen. Damit beweisen wir, dass das Angebot attraktiv ist. Oder geht es darum, zusätzliche Einnahmen zu generieren, statt anderswo zu sparen? Dann ist das diskutierbar.</p>
<p><strong>Vielleicht wäre eine Veränderung im Bildungsbereich gar nicht schlecht. Immer weniger Jugendliche wollen Lehrer werden.</strong></p>
<p>Ich bin vorsichtig geworden mit Prognosen, die Schwankungen sind extrem. Aber die Demografie spricht tendenziell dafür, dass ein Lehrermangel kommt. In erster Linie müssen wir den Lehrerberuf attraktiver machen. Das fängt bei den Löhnen an. Viele Lehrer sagen mir allerdings, ihr Lohn sei nicht das Problem, sondern die mangelnde Anerkennung. Sie wollen, dass die Gesellschaft einsieht, welch anspruchsvolle Aufgabe es ist, jeden Tag vor 24 Kindern mit unterschiedlicher Herkunft zu stehen. Wenn die Anerkennung wieder höher ist, werden junge Menschen merken, dass es sinnvoller ist, Kindern und Jugendlichen etwas mitzugeben, als an der New Yorker Börse das Geld der Bankkunden zu verspielen. Wahrscheinlich macht das auch glücklicher.</p>
<p><strong>Was macht Sie glücklich?</strong></p>
<p>Meine Arbeit, mit der ich versuche, möglichst vielen Menschen zu einer besseren Lebensqualität zu verhelfen.</p>
<p><strong>Und was haben Sie für Ziele für die Zeit nach dem Arbeitsleben?</strong></p>
<p>Ich hätte dann gerne wieder mehr Zeit für die Musik und die Kultur. Ich habe früher Klarinette gespielt – vielleicht werde ich wieder ein Instrument spielen, wenn ich nicht mehr Erziehungsdirektor bin.<br />
<strong><br />
Dann sind Sie aber Bundesrat.</strong></p>
<p>(lacht laut)<br />
<em><br />
Interview: Von David Bauer, Pascal Tischhauser</em></p>
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		<title>Bla-Bla-Blogger, DNA-Suchmaschinen und ein Plädoyer für mehr Hirn: Ein persönlicher Rückblick auf 1 Jahr Multimedia</title>
		<link>http://www.davidbauer.ch/2009/10/26/bla-bla-blogger-dna-suchmaschinen-und-ein-pladoyer-fur-mehr-hirn-ein-personlicher-ruckblick-auf-1-jahr-multimedia/</link>
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		<pubDate>Mon, 26 Oct 2009 09:10:14 +0000</pubDate>
		<dc:creator>David Bauer</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Featured]]></category>
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		<description><![CDATA[Am Sonntag ist die letzte SonntagsZeitung mit eigenständigem Multimedia-Bund erschienen. Ab nächster Woche wird das Thema in den Wissen-Bund integriert. Damit endet für mich das Kapitel Multimedia, ich wechsle per Anfang Jahr ins Nachrichtenressort der SonntagsZeitung. Ein Rückblick auf einige Texte, die ich in meiner Zeit als Multimedia-Redaktor geschrieben habe: Illustration: Luca Schenardi &#171;Der Mensch [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Am Sonntag ist die letzte SonntagsZeitung mit eigenständigem Multimedia-Bund erschienen. Ab nächster Woche wird das Thema in den Wissen-Bund integriert. Damit endet für mich das Kapitel Multimedia, ich wechsle per Anfang Jahr ins Nachrichtenressort der SonntagsZeitung. Ein Rückblick auf einige Texte, die ich in meiner Zeit als Multimedia-Redaktor geschrieben habe:<span id="more-472"></span></p>
<p><img src="http://www.davidbauer.ch/wp-content/uploads/2009/10/denker.jpg" alt="Denker auf Abwegen (copyright luca schenardi)" title="Denker auf Abwegen (copyright luca schenardi)" width="530" height="710" class="alignnone size-full wp-image-585" /><small>Illustration: <a href="http://www.lucaschenardi.ch">Luca Schenardi</a></small></p>
<p><font size=+2>&laquo;Der Mensch ist Mensch, weil er denken kann. Heute braucht der Mensch seinen Verstand immer mehr dazu, sich Dinge auszudenken, die ihm das Denken abnehmen.&raquo;</font></p>
<p style ="text-align: right;"><em><a href="http://www.davidbauer.ch/2009/10/25/das-gehirn-auf-standby/">Das Gehirn auf Standby</a>,<br />
Essay zum Umgang des Menschen mit Technologie, 25. Oktober 2009</em></p>
<p><font size=+2>&laquo;Die Zeitung der Zukunft liegt als multimediale Allzweckwaffe auf dem Frühstückstisch. Anstatt sie aus dem Briefkasten zu fischen, startet der Zeitungsleser der nahen Zukunft sein iPad, ein überdimensioniertes iPhone von der Grösse eines A4-Blatts.&raquo;</font></p>
<p style ="text-align: right;"><em><a href="http://www.davidbauer.ch/2009/10/17/der-neue-zeitungsgeist/">Der neue Zeitungsgeist</a>,<br />
Zukunftsszenario mit Apples Tablet-Computer, 11. Oktober 2009</em></p>
<p><font size=+2>&laquo;Beim Blick hinter die Durchschnittswerte tun sich digitale Gräben auf, die mitten durch die Schweiz gehen. Flächendeckenden Zugang zum weltweiten Wissens- und Unterhaltungsnetz haben nur gut situierte Haushalte.&raquo;</font></p>
<p style ="text-align: right;"><em><a href="http://www.davidbauer.ch/2009/10/17/so-tickt-und-klickt-die-schweiz/">So tickt und klickt die Schweiz</a>,<br />
Bericht über die Nutzung von Infomationstechnologie, 20. September 2009</em></p>
<p><font size=+2>&laquo;Google hat uns nicht gefragt, ob wir fotografiert werden wollen. Google hat nicht informiert, wann und wo die Kameraautos unterwegs sind. Und Google verlangt von uns, dass wir seine Fehler korrigieren.&raquo;</font></p>
<p style ="text-align: right;"><em><a href="http://www.davidbauer.ch/2009/08/26/kommentar-etwas-viel-auf-einmal/">Etwas viel auf einmal</a>,<br />
Kommentar zur Lancierung von Google Street View in der Schweiz, 23. August 2009</em></p>
<p><font size=+2>&laquo;Google-Killer sind die Yetis des Internets. Tausendfach beschrieben, nie gesichtet.&raquo;</font></p>
<p style ="text-align: right;"><em><a href="http://www.davidbauer.ch/2009/10/17/es-muss-nicht-immer-google-sein/">Es muss nicht immer Google sein</a>,<br />
Vorstellung verschiedener Ergänzungen zu Google, 2. August 2009</em></p>
<p><font size=+2>&laquo;Die kluge Maschine schreckt auch vor den grossen Fragen des Lebens nicht zurück. Soll ich an einen Gott glauben? Soll ich Sex mit der Ex haben?&raquo;</font></p>
<p style ="text-align: right;"><em><a href="http://www.davidbauer.ch/2009/08/17/sokrates-hilf/">Sokrates hilf!</a>,<br />
Selbstversuch mit der Entscheidungsmaschine hunch.com, 19. Juli 2009</em></p>
<p><font size=+2>&laquo;Wieso nicht mal aufschreiben, was man unter Freundinnen ohnehin so lästert und tratscht?&raquo;</font></p>
<p style ="text-align: right;"><em><a href="http://www.davidbauer.ch/2009/08/17/glamourose-wadenbeisser/">Glamouröse Wadenbeisser</a>,<br />
Porträt der Macher hinter dem Blog Klatschheftli.ch, 5. Juli 2009</em></p>
<p><font size=+2>&laquo;Twitter, gerne verschrien als Umschlagplatz Abertausender Nichtigkeiten, ist für Iraner in den letzten Tagen zur wichtigsten Verbindung zur weiten Welt geworden.&raquo;</font></p>
<p style ="text-align: right;"><em><a href="http://www.davidbauer.ch/2009/07/18/teheran-probt-die-revolution-in-140-zeichen/">Teheran probt die Revolution mit 140 Zeichen</a>,<br />
Bericht zur Rolle von Twitter bei den Aufständen im Iran, 21. Juni 2009</em></p>
<p><font size=+2>&laquo;Dass ich mit einem Google-Gründer verheiratet bin, ist nun mal so. Das ist aber Privatsache. Vom Entscheid, bei uns zu investieren, wurde Sergey bewusst herausgehalten.&raquo;</font></p>
<p style ="text-align: right;"><em><a href="http://www.davidbauer.ch/2009/07/17/%c2%abwir-bauen-eine-suchmaschine-fur-ihre-dna%c2%bb/">Wir bauen eine Suchmaschine für Ihre DNA</a>,<br />
Interview mit Anne Wojcicki von 23andme, 3. Mai 2009</em></p>
<p><font size=+2>&laquo;Es wird fantastisch. Immer mehr, immer billiger, immer besser.&raquo;</font></p>
<p style ="text-align: right;"><em><a href="http://www.davidbauer.ch/2009/07/17/%c2%abden-musik-flatrates-gehort-die-zukunft%c2%bb/">Den Musik-Flatrates gehört die Zukunft</a>,<br />
Interview mit Medienfuturist Gerd Leonhard über Musik im digitalen Zeitalter, 22. März 2009</em></p>
<p><font size=+2>&laquo;Erinnerungen weckt es, dieses Ungetüm von einem technischen Gerät, aus dessen Schlund das Licht an die Wand geworfen wird.&raquo;</font></p>
<p style ="text-align: right;"><em><a href="http://www.davidbauer.ch/2009/07/17/so-was-von-gestern/">So was von gestern</a>,<br />
Ode an vier Retro-Geräte, 15. März 2009</em></p>
<p><font size=+2>&laquo;Natürlich würde ich nie zugeben, dass ich ein gelangweilter Narzisst bin. Warum also nutze ich, David Bauer, Journalist und Mensch, Twitter? &raquo;</font></p>
<p style ="text-align: right;"><em><a href="http://www.davidbauer.ch/2009/02/08/zwitscher-mir-einen/">Zwitscher mir einen</a>,<br />
Erfahrungsbericht eines Twitter-Neueinsteigers, 8. Februrar 2009</em></p>
<p><font size=+2>&laquo;In ihrer Gesamtheit bieten die mehreren Tausend Schweizer Blogs langweiliges Mittelmass. Ein Mittelmass, das sich inhaltlich am Mainstream orientiert, zu dem man als Alternative angetreten ist.&raquo;</font></p>
<p style ="text-align: right;"><em><a href="http://www.davidbauer.ch/2008/11/16/bla-bla-blogger-die-rebellen-versinken-im-mittelmass/">Bla-Bla-Blogger &#8211; die Rebellen versinken im Mittelmass</a>,<br />
Lagebeurteilung der Schweizer Blogosphäre, 2. November 2008</em></p>
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		<title>Das Gehirn auf Standby</title>
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		<pubDate>Sun, 25 Oct 2009 13:44:40 +0000</pubDate>
		<dc:creator>David Bauer</dc:creator>
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		<category><![CDATA[essay]]></category>
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		<description><![CDATA[Wie viele Ihrer Freunde könnten Sie noch anrufen, wenn Sie Ihr Handy verloren haben? Von David Bauer Ja, haben wir denn den Verstand verloren? Wir googlen statt zu denken. Wir haben Smartphones, die für uns schlau sind. Und unser Gedächtnis haben wir durch elektronische Notizen ersetzt. Alle möglichen Geräte und Programme synchronisieren wir miteinander, bloss [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Wie viele Ihrer Freunde könnten Sie noch anrufen, wenn Sie Ihr Handy verloren haben?</strong></p>
<p><em>Von David Bauer</em></p>
<p>Ja, haben wir denn den Verstand verloren? Wir googlen statt zu denken. Wir haben Smartphones, die für uns schlau sind. Und unser Gedächtnis haben wir durch elektronische Notizen ersetzt. Alle möglichen Geräte und Programme synchronisieren wir miteinander, bloss unser Gehirn haben wir abgekoppelt.</p>
<p>Niemals, sagt sich der aufgeklärte Geist, würde ich mein Denken an Maschinen auslagern. Doch ein jeder, der sich selber ein wenig beobachtet, wird im Alltag zig Momente finden, in denen wir unser Gehirn nicht mehr benutzen. Kleinigkeiten, die in ihrer Summe den Denkapparat zunehmend in den Standby-Modus versetzen.</p>
<p>Anstatt kurz nachzudenken, was wir eigentlich über Afghanistan wissen, ist sofort Wikipedia aufgerufen. Anstatt ein entfallenes Fremdwort aus dem Gedächtnis hervorzulocken, helfen wir uns blitzschnell mit einem Übersetzungsprogramm auf die Sprünge. Anstatt uns nach dem Weg zu erkundigen, fummeln wir uns durch die Kartenapplikation auf dem Mobiltelefon.<span id="more-712"></span></p>
<p><strong>Jedes neue Programm schaltet ein paar graue Zellen aus</strong></p>
<p>Wir schreiben sechs Kurznachrichten hin und her, um uns zu verabreden, weil wir uns die<br />
Mühe nicht machen, kurz nachzudenken, ob es mit einem Anruf getan wäre. Wir brauchen auf dem Rechner einen Passwort-Manager, weil wir uns selber keine merken können. Die Digitalkamera speichert, wann und wo wir unsere Bilder geschossen haben, weil wir es vergessen würden.</p>
<p>Wir haben Maschinen zu unseren Dienern gemacht und übersehen, dass wir uns damit selbst unterworfen haben. All die Geräte, Programme und Anwendungen haben uns zu Getriebenen gemacht, zu unselbstständigen, hirnbetäubten Existenzen. Genauso wie der fremdbewegte Mensch des postindustriellen Zeitalters im Fitnessstudio gegen die Verfettung ankämpfen muss, droht dem digitalen Menschen<br />
inmitten seiner technischen Denkstützen die geistige Erlahmung. Mit jeder Google-Abfrage entziehen wir unserem Gehirn ein Stück Vertrauen, jedes neue Programm schaltet ein paar graue Zellen aus. Das Gehirn aber verliert wie ein Muskel seine Leis-tungsfähigkeit, wenn es nicht regelmässig genutzt wird.</p>
<p>Dann widerfährt einem solcherlei: Letzthin wollte ich einige Freunde zum Geburtstag einladen. Ich habe mich aber nicht hingesetzt und nachgedacht, wen ich alles einladen möchte. Gedankenverloren habe ich meine Freundesliste bei Facebook aufgerufen und mir meine besten Freunde per Ausschlussverfahren in Erinnerung gerufen.</p>
<p>Das Gedächtnis ist geradezu ausser Mode gekommen. Der britische Neuropsychologe Ian Robertson hat in einer gross angelegten Untersuchung herausgefunden, dass junge Menschen, die sich viel auf Technik abstützen, ein schlechteres Gedächtnis haben als die Generation, die ohne Internet und mobiles Telefon aufgewachsen ist. Nur vier von zehn unter Dreissigjährigen konnten wichtige Daten wie Geburtstage von Verwandten nennen. Von den über Fünfzigjährigen dagegen neun von zehn. Wie viele Geburtstage kennen Sie auswendig, und bei wie vielen werden Sie von einer elektronischen Erinnerung überrumpelt? Wie viele Ihrer Freunde könnten Sie noch anrufen, wenn Sie Ihr Mobiltelefon verloren haben?</p>
<p>Traumfabriken wie die von Apple verführen dazu, uns ganz in die Obhut der Technik zu begeben. «Es gibt nichts, wofür es keine Anwendung gibt», hallt das Mantra aus der Werbung. Eine wunderbare neue Welt ist das eigentlich, Technologie erweitert unsere Möglichkeiten ständig. Viele Errungenschaften sind wertvoll, wir können uns glücklich schätzen, in einer Zeit zu leben, in der es sie gibt. Nur: Das alles geht zu schnell. Die Technik entwickelt sich schneller als unsere Fähigkeit, mit ihr umzugehen. Verweigerung bleibt ein Privileg der Abgehängten, also lassen wir uns treiben in einem Strom voller Reize. Wir haben die Kontrolle verloren.</p>
<p><strong>Leistungsfähig und sparsam im Energieverbrauch: Das Gehirn</strong></p>
<p>Der Mensch entfernt sich damit schleichend von sich selber. Die philosophische Anthropologie verstand den Menschen seit Aristoteles&#8217; Metaphysik als «animal rationale», als ein des Vernunftgebrauchs fähiges Wesen. Der Mensch ist Mensch, weil er denken kann. Heute braucht er seinen Verstand immer mehr dazu, sich Dinge auszudenken, die ihm das Denken abnehmen.</p>
<p>Im Wochentakt werden uns neue Computer angepriesen, neue Handys, alles Alleskönner. Täglich verlocken uns Programme und Websites mit dem Versprechen, unser Leben zu organisieren, zu vereinfachen. 1001 Wunder der Technik glänzen vor unseren Augen und lassen uns ausblenden, dass das beste Gadget von allen ein Wunder der Natur ist, mit dem wir alle in einem sozialistischen Akt der Gleichheit von Geburt an ausgestattet wurden: das Gehirn. Über Jahrmillionen entwickelt und optimiert, extrem leistungsfähig und sparsam im Energieverbrauch. Hundert Milliarden Nervenzellen, verbunden über einige hundert Billionen Synapsen, mit einer Speicherkapazität von mindestens dreitausend iPhones. Alles zusammen stosssicher und kratzfest verpackt. Ein Testsieger aller Klassen, noch dazu mit einem bestechend guten Betriebssystem: dem menschlichen Verstand.</p>
<p>Es ist an der Zeit, dieses Potenzial wieder richtig zu nutzen, den Maschinen eine vernünftige Portion menschliches Denken entgegenzuhalten. Unser Handeln wieder stärker selber zu bestimmen. Dafür müssen wir unser Gehirn im richtigen Moment einschalten und als Steuerungsorgan einsetzen. Rufe ich an oder schreibe ich ein E-Mail? Frage ich das iPhone oder mein Gegenüber? Muss ich das wirklich googeln? Wir müssen wieder bewusster entscheiden, welche Aufgaben wir der Technik überlassen und welche wir ganz allein kraft unserer Gedanken lösen können. Müssen wieder den Mut haben, ein paar Sekunden der geistigen Leere auszuhalten, ohne gleich zu unseren ausgelagerten Gehirnen zu greifen. Und wir müssen uns wieder angewöhnen, Dinge in unserem Kopf abzuspeichern. Nicht, weil die Technik böse wäre. Sondern, weil es effizienter ist und uns unabhängiger macht, wenn wir selber denken.</p>
<p>Sonst nämlich kommen wir irgendwann an den Punkt, wo wir mit Descartes erkennen müssen: «Ich denke nicht, also bin ich nicht». Descartes? Ja, den müssten wir dann auch erst googeln.</p>
<p>Medium: SonntagsZeitung<br />
Ressort: Multimedia<br />
Datum: 25.10.2009</p>
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		<title>Der neue Zeitungsgeist</title>
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		<pubDate>Sat, 17 Oct 2009 09:29:44 +0000</pubDate>
		<dc:creator>David Bauer</dc:creator>
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		<category><![CDATA[apple]]></category>
		<category><![CDATA[medien]]></category>
		<category><![CDATA[technologie]]></category>
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		<description><![CDATA[Apples Tablet-Computer könnte das Printmedium der Zukunft sein. Von David Bauer Die Zeitung der Zukunft liegt als multimediale Allzweckwaffe auf dem Frühstückstisch. Anstatt sie aus dem Briefkasten zu fischen, startet der Zeitungsleser der nahen Zukunft sein iPad, ein überdimensioniertes iPhone von der Grösse eines A4-Blatts. Über eine Applikation ruft er die aktuelle Ausgabe seiner Tageszeitung [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong> Apples Tablet-Computer könnte das Printmedium der Zukunft sein.</strong></p>
<p><em>Von David Bauer</em></p>
<p>Die Zeitung der Zukunft liegt als multimediale Allzweckwaffe auf dem Frühstückstisch. Anstatt sie aus dem Briefkasten zu fischen, startet der Zeitungsleser der nahen Zukunft sein iPad, ein überdimensioniertes iPhone von der Grösse eines A4-Blatts. Über eine Applikation ruft er die aktuelle Ausgabe seiner Tageszeitung auf.</p>
<p>Die Zeitung ist massgeschneidert, enthält den Auslandteil der «New York Times», Inland aus der NZZ, Kultur vom «Tages-Anzeiger». Der Lokalteil ist abgestimmt auf den Ort, wo sich der Leser gerade befindet. Zu einzelnen Artikeln gibt es kurze Videos zu sehen, bei allen Artikeln steht, ob ein Bekannter sie bereits gelesen hat und empfiehlt. Selber kann der Leser Artikel abspeichern und an Freunde weiterschicken. Integriert in die Zeitung sind die wichtigsten Nachrichten aus dem Freundeskreis, importiert von Facebook.<span id="more-558"></span></p>
<p>Möglich machen soll das Apple mit einem Tablet-Computer. Gerüchte umranken das Tablet seit Monaten, das Netz ist elektrisiert von jeder neuen Fotomontage, wie das Gerät aussehen könnte. Apple gibt sich gewohnt verschlossen, nun aber verdichten sich die Mutmassungen. Das Tablet wird über einen 10,7-ZollTouchscreen verfügen und mit dem gleichen Betriebssystem wie das iPhone laufen. Dies berichtet die Website iLounge, gestützt auf eine Quelle, die schon bei früheren Apple-Produkten frühzeitig richtige Hinweise gegeben habe. Das Gerät soll spätestens am 19. Januar vorgestellt werden und ab Mai oder Juni nächsten Jahres im Handel erhältlich sein.</p>
<p>Dabei wollte Apple-Chef Steve Jobs lange nichts wissen von Tablet-Computern. «Wozu soll das gut sein, ausser dass man damit auf dem Klo im Internet surfen kann?», hatte er seine Entwickler angeherrscht und die Idee eines Tablet-Computers vor sechs Jahren in der Schublade verschwinden lassen. Mittlerweile hat Jobs das Potenzial erkannt und die Entwicklung des neusten Apple-Geräts zur Chefsache erklärt. Für all jene, die gebannt auf das Tablet warten, ein Grund mehr, nichts weniger zu erwarten als Wunderdinge.</p>
<p>Apple ist weder die erste noch die einzige Firma, die mit einem solchen Produkt den Markt aufmischen will. Aber nur ihr traut man derzeit ein revolutionäres Gerät zu. Mit dem iPod hat Apple die Musikindustrie auf den Kopf gestellt, das iPhone ist ein Meilenstein der Mobilkommunikation. Warum sollte Apple nicht mit einem iPad die Medienbranche revolutionieren und die Dreifaltigkeit komplett machen?</p>
<p>«Heiliger-Gral-Syndrom» diagnostiziert die britische Zeitung «The Observer» das Sehnen nach einem mythisch überhöhten Objekt der Begierde. Verfallen sind ihm nicht nur die strenggläubigen Apple-Fanboys. In letzter Zeit mehren sich die Stimmen, die Apples Tablet zutrauen, die Zeitungsindustrie zu retten. Als das Gerät, das die gute alte Zeitung ins digitale Zeitalter geleitet.</p>
<p><strong>Farbdisplay, Bewegtbilder und Interaktion</strong></p>
<p>Die Idee klingt verheissungsvoll. Die Verlage sparen Druck- und Vertriebskosten, der Leser erhält die Inhalte täglich aufs Gerät gebeamt, zu einem günstigeren Preis. Schon heute können in den USA zahlreiche grosse Printtitel wie die «Washington Post» oder die «Financial Times» auf Amazons Lesegerät, dem Kindle, abonniert werden. Wie viele Leser ein solches Abo für rund 25 Dollar pro Monat gelöst haben, verraten die Verlage nicht – vermutlich, weil es wenige sind. Mitte Oktober wird der Kindle auch in der Schweiz lanciert.</p>
<p>Zwischen Apple und «New York Times» soll es Gespräche geben, um die Traditionszeitung auf den Tablet-Bildschirm zu bringen. Auch mehrere Zeitschriften, angeführt vom «Time Magazine», wollen mit Apple zusammenspannen. Als Lesegerät würde das Tablet in einer ganz anderen Liga spielen als die bisherigen E-Reader, die auf das Lesen von Büchern ausgerichtet sind (siehe Artikel nebenan). Es verfügt über ein Farbdisplay, kann Bewegtbilder darstellen und erlaubt Interaktion. Das schlägt sich auch im Preis nieder. Marktbeobachter gehen davon aus, dass das Tablet zwischen 700 und 900 Dollar kosten wird, mehrere Hundert Dollar mehr als die reinen Lesegeräte.</p>
<p><strong>Für den mobilen Gebrauch ist das Tablet zu gross</strong></p>
<p>Nicht nur der Preis wirft Fragen auf. Was heute Papier trotz aller Schwächen auszeichnet: Es ist handlich, angenehm zu lesen und braucht keinen Strom. Klassische E-Reader versuchen diese Eigenschaften zu imitieren mit elektronischer Tinte, die mit einmaligen Stromimpulsen auskommt und ein ähnliches Lesegefühl wie bedrucktes Papier vermittelt.</p>
<p>Apples Tablet dagegen, wie man es auch dreht, wird mehr Computer sein als irgendetwas anderes. Man liest auf einem Bildschirm und ist vom Akku abhängig. Mit seiner Grösse empfiehlt es sich auch nicht gerade für den mobilen Gebrauch. Wenn das iPad unseren Alltag erobert, wird sein Königreich der Frühstückstisch sein, wo es als multimediales Informationszentum brillieren kann. Komfortabler zu bedienen als ein Smartphone, reichhaltiger als die gedruckte Zeitung.</p>
<p>Eine schöne neue Medienwelt wäre das. Und die Firma Apple würde sich die Hände reiben, wenn sie in ihrem Universum läge. Doch selbst wenn sich das Tablet als ideales Lesegerät für die Zeitung der Zukunft herausstellen sollte, müssten die Verlage erst ein tragfähiges Geschäftsmodell finden. Erste Verlage sind dazu übergegangen, für ihre mobilen Inhalte Geld zu verlangen, in der Schweiz wird die NZZ als Erste diesen Schritt machen.</p>
<p>Immerhin hat das Applikationen-Ökosystem von Apple gezeigt, dass die Leute bereit sind, für gute Anwendungen zu bezahlen. Doch wozu bezahlen, wenn das kostenlose World Wide Web auf dem Tablet nur eine Berührung entfernt ist? Die Antwort ist so banal wie herausfordernd: Die Anwendung muss so unglaublich gut sein, dass man nicht darauf verzichten will. Weil sie angenehmer zu lesen ist, weil man schneller erfährt, was man wirklich wissen möchte, und weil sie Dinge kann, die wir uns jetzt noch gar nicht vorstellen können.</p>
<p>Bis es so weit ist, bleibt Zeitungspapier geduldig – und die elektronischen Lesegeräte ein Revolutiönchen. </p>
<h4>Medium: SonntagsZeitung<br />
Ressort: Multimedia<br />
Datum: 11.10.2008</h4>
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		<title>Es muss nicht immer Google sein</title>
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		<pubDate>Sat, 17 Oct 2009 09:09:09 +0000</pubDate>
		<dc:creator>David Bauer</dc:creator>
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		<category><![CDATA[google]]></category>
		<category><![CDATA[service]]></category>
		<category><![CDATA[suchmaschinen]]></category>

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		<description><![CDATA[Schneller und schlauer: Alternativen zur grössten Suchmaschine der Welt Von David Bauer Medium: SonntagsZeitung Ressort: Multimedia Datum: 02.08.2009 Google-Killer sind die Yetis des Internets. Tausendfach beschrieben, nie gesichtet. Was immer in den letzten Jahren als potenzieller Widersacher der mächtigsten Suchmaschine der Welt auftauchte, schrumpfte schnell auf Normalmass. Daran dürfte auch die neue Allianz von Microsoft [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Schneller und schlauer: Alternativen zur grössten Suchmaschine der Welt</strong></p>
<p><em>Von David Bauer</em></p>
<h4>Medium: SonntagsZeitung<br />
Ressort: Multimedia<br />
Datum: 02.08.2009</h4>
<p>Google-Killer sind die Yetis des Internets. Tausendfach beschrieben, nie gesichtet. Was immer in den letzten Jahren als potenzieller Widersacher der mächtigsten Suchmaschine der Welt auftauchte, schrumpfte schnell auf Normalmass. Daran dürfte auch die neue Allianz von Microsoft und Yahoo (siehe Artikel Seite 70) wenig ändern. Die Nummern zwei und drei haben sich zuletzt nur gegenseitig Marktanteile strittig gemacht. Weltweit laufen gemäss Net Applications vier von fünf Suchanfragen über Google, Tendenz steigend, nicht fallend.</p>
<p>Als Allrounder-Suchmaschine ist Google nicht beizukommen. In Nischen aber fährt man mit Alternativen oft besser (siehe Kasten). Denn wer wie Google stets das grosse Ganze im Blick haben muss, hat nicht für jedes Detail einen geschärften Blick. Wie ein Zehnkämpfer nicht gleichzeitig der beste Sprinter sein kann.<span id="more-541"></span></p>
<p>Gerade Sprinter sind zunehmend gefragt. Die wichtigste Entwicklung im Bereich der Internetsuche ist diejenige hin zur Echtzeitsuche. Bisher waren Suchmaschinen darauf ausgerichtet, unser kollektives Gedächtnis zu durchsuchen. Das Web im Jahr 2009, in dem sich Neuigkeiten rasend schnell verbreiten, verlangt nach neuen Suchmaschinen. Solchen, die den reissenden Informationsfluss in Bahnen lenken können. Damit die Frage beantwortet werden kann, um die sich nach Schätzungen von Suchmaschinenexperten dreissig bis vierzig Prozent aller Suchanfragen drehen: Was passiert gerade?</p>
<p>Als die Meldung von Michael Jacksons Herzstillstand im Netz die Runde machte, dauerte es zweieinhalb Stunden, bis sie auch via Google zu finden war. Eine Ewigkeit. «Wir haben die Echtzeitsuche noch nicht im Griff,» gab Google-Chef Larry Page an einer Konferenz im Mai zu. «Ich habe unseren Suchexperten schon vor einiger Zeit gesagt, dass wir Suchresultate für jede Sekunde brauchen. Sie haben mich ausgelacht.»</p>
<p>Andere sind bereits da, wo Google hin will – weil sie sich nur auf die Echtzeitsuche konzentrieren und so viel weniger Daten verarbeiten müssen. Suchmaschinen ohne Langzeitgedächtnis, quasi. Dafür immer direkt am Puls des Internets.</p>
<p>Die Suchmaschine One Riot hat dafür einen Algorithmus namens PulseRank entwickelt. Sie durchsucht Dienste wie Twitter oder Digg, auf denen Aktuelles verbreitet wird. Sortiert werden die Ergebnisse danach, wie frisch eine Information ist und wie schnell sie sich verbreitet. Je nachdem, auf welcher Website sie veröffentlicht wurde und welche Personen sie weiterreichen, wird der Information zusätzliche Bedeutung beigemessen. One Riot gelingt es so, Informationen nicht nur in Echtzeit zu sammeln, sondern auch gleich zu gewichten.</p>
<p>Während One Riot einen raschen Überblick über ein Ereignis verschafft, liefert das im Mai lancierte Scoopler den Live-Ticker dazu. Einmal mit einem Stichwort gefüttert, schickt Scoopler die aktuellsten Meldungen aus dem Netz über den Bildschirm, chronologisch geordnet und sofort aktualisiert, wenn es Neues gibt. So lässt sich eine Etappe der Tour de France genauso verfolgen wie Microsofts Ringen um die Zusammenarbeit mit Yahoo.</p>
<p>Die Suche von Twitter eignet sich weniger gut als Live-Ticker, weil die Resultate manuell aktualisiert werden müssen. Dafür ist die Suchmaske differenzierter. So konnte man sich während der Unruhen im Iran beispielsweise nur Kurzmitteilungen vom Ort des Geschehens und in englischer Sprache anzeigen lassen. Twitter will sich verstärkt als Suchmaschine profilieren. Diese Woche wurde die Startseite umgestaltet und kommt nun mit einem prominent platzierten Suchfeld daher.</p>
<p>Gar keine Suchmaschine im eigentlichen Sinne, aber ein ausgezeichneter Web-Seismograph ist Bit.ly. Jeden Tag werden rund sieben Millionen Links mit Bit.ly verkürzt, damit sie in Kurzmitteilungen passen. Wann immer diese Links angeklickt werden, pro Woche über 250 Millionen Mal, registriert dies Bit.ly. Zu jedem Stichwort weiss die Suchmaschine so, welche Websites gerade besonders beliebt sind. Im Herbst will Bit.ly seinen Dienst ausweiten und eine jederzeit aktuelle Übersicht der meistgeklickten Inhalte im Netz anbieten.</p>
<p>Doch nicht nur bei der Suche nach aktuellen Ereignissen gibt es Dienste, die Google übertrumpfen. Andere brillieren in thematischen Nischen. Kayak etwa ist die Suchmaschine der Wahl wenn es an die Reiseplanung geht. Ob Flüge, Hotels oder Mietautos – im Nu sind alle Angebote aufgelistet und der günstigste Tarif gefunden. Wer eine Fluglinie bevorzugt oder eine Budgetobergrenze für das Mietauto hat, kann die Suche entsprechend eingrenzen. Selbst Unentschlossene werden versorgt: Man tippt seinen Startort ein und erhält eine Liste mit aktuell günstigen und beliebten Destinationen Microsofts Bing bietet diese Art der Suche ebenfalls, aber erst für die USA.</p>
<p><strong>Exakte Antworten auf spezifische Fragen</strong></p>
<p>Ein klassischer Yeti war Wolfram Alpha. Vor ihrer Lancierung im Mai hatte die Suchmaschine das Netz in Wallung gebracht. Inzwischen ist klar, dass Wolfram Alpha eine Nische besetzt und Google ergänzt. Die Maschine durchsucht nicht das Netz, sondern spezielle Datenbanken. Ihr Ziel ist nicht, die relevantesten Links zu einem Stichwort zu liefern, sondern exakte Antworten auf spezifische Fragen. Wolfram Alpha ist im Prinzip ein Taschenrechner, der mehr als nur Zahlen beherrscht. Fragt man die Maschine, welches «das fünftgrösste Land» sei, so kriegt man die Antwort ohne Umwege ausgespuckt: Nach Fläche und Einwohner ist es Brasilien, nach dem Bruttoinlandprodukt gerechnet Grossbritannien. Das Wetter am 26. August 1982? Bewölkt, 18 Grad, windstill. Für Informationen, die sich aus Listen und Statistiken kombinieren lassen, ist Wolfram Alpha unschlagbar.</p>
<p>Wer nach einer bestimmten Person sucht, greift am besten auf eine spezialisierte Personensuchmaschine zurück. Das frisch lancierte Pipl schickt sich an, rasch zur Nummer eins zu werden. Für Personen aus der Schweiz taugt allerdings 123People mehr. Kontaktdaten, Profile in sozialen Netzwerken oder Bilder sind schnell ausfindig gemacht. Über die Website lässt sich auch leicht überprüfen, was über einen selber im Netz gespeichert ist.</p>
<p>Google kann zwar alles, aber nicht alles am besten. Hier springen die Nischen-Suchmaschinen ein. Man muss bloss vor dem reflexartigen Googlen daran denken, dass es sie gibt. </p>
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		<title>So tickt und klickt die Schweiz</title>
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		<pubDate>Sat, 17 Oct 2009 09:05:58 +0000</pubDate>
		<dc:creator>David Bauer</dc:creator>
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		<category><![CDATA[informationsgesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[internet]]></category>
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		<description><![CDATA[Digital-Report 2009: Wie wir Informations- und Unterhaltungstechnologie nutzen Von David Bauer Medium: SonntagsZeitung Ressort: Multimedia Datum: 20.09.2009 Im Jahr 2010 werden zwei Millionen Menschen in der Schweiz ein Handy besitzen. Dies errechnete das Bundesamt für Kommunikation vor zwölf Jahren. Und lag damit ordentlich daneben. Wie so manche Zukunftsprognose ist auch diese längst von der Wirklichkeit [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Digital-Report 2009: Wie wir Informations- und Unterhaltungstechnologie nutzen</strong></p>
<p><em>Von David Bauer</em></p>
<h4>Medium: SonntagsZeitung<br />
Ressort: Multimedia<br />
Datum: 20.09.2009</h4>
<p>Im Jahr 2010 werden zwei Millionen Menschen in der Schweiz ein Handy besitzen. Dies errechnete das Bundesamt für Kommunikation vor zwölf Jahren. Und lag damit ordentlich daneben. Wie so manche Zukunftsprognose ist auch diese längst von der Wirklichkeit überholt worden. Heute besitzen in der Schweiz 6,7 Millionen Menschen ein Handy, Mobilfunk-Abos gibt es inzwischen gar mehr als Einwohner.</p>
<p>Die Schweizer Informationsgesellschaft hat sich rasant entwickelt. So rasant, dass es manchmal schwerfällt, den Überblick zu bewahren. Die SonntagsZeitung hat deshalb Zahlen aus über 30 verschiedenen Studien zusammengetragen und ausgewählt. Sie geben einen Einblick in das digitale Leben, wie es in der Schweiz im Jahre 2009 aussieht.</p>
<p>Die Schweiz drängt unaufhaltsam ins Internet. Vier von fünf Schweizern nutzen es heute, die meisten täglich. Pro Monat verbringt der Durchschnittsbürger 31 Stunden im Netz. Damit verschieben sich immer mehr klassische Offlinetätigkeiten in Richtung Internet. Jeder Dritte kauft online ein, jeder Vierte liest täglich Nachrichten im Netz, jeder Fünfte besorgt sich Musik via Downloads.<span id="more-535"></span></p>
<p><strong>Neue Partnerschaften per Internet sind sehr gefragt</strong></p>
<p>Wenn immer mehr Menschen im Netz sind, liegt es nahe, Kontakte dort zu pflegen. Jeder zweite Schweizer ist bei einem sozialen Netzwerk angemeldet, alleine die Schweizer Facebook-Gemeinde ist inzwischen so gross wie die gesamte Westschweiz. Und wenn man bestehende Kontakte online pflegen kann, dann kann man bestimmt auch neue knüpfen. Fast jeder Dritte hat schon mal versucht, auf diesem Weg eine Partnerin oder einen Partner zu finden, die Mehrheit allerdings noch ohne Erfolg.</p>
<p>Wesentlichen Anteil an dieser Zuneigung zum Internet hat die gute Ausstattung der Schweizer Haushalte mit Computern und Internetanschlüssen. Drei Viertel aller Haushalte sind mit dem Netz verbunden, fast die Hälfte davon via Breitband. Damit steht die Schweiz im internationalen Vergleich gut da (siehe Grafik Seite 94). Nicht alle profitieren davon aber gleichermassen. Beim Blick hinter die Durchschnittswerte tun sich digitale Gräben auf, die mitten durch die Schweiz gehen. Und dies nicht nur zwischen den Generationen. Es ist nach wie vor so, dass mehr Männer als Frauen das Internet nutzen (79 gegenüber 64 Prozent, die mehrmals pro Woche online sind). Ein besonders augenfälliger Graben klafft zwischen den Einkommensschichten: Nur 41 Prozent der Haushalte mit den tiefsten Einkommen verfügen über einen Internetanschluss, dagegen 98 Prozent der reichsten Haushalte (siehe Grafik oben). Zwar verzerren andere Faktoren wie das Alter diese Statistik ein wenig, an der Kernaussage ändert das aber nichts: Flächendeckenden Zugang zum weltweiten Wissens- und Unterhaltungsnetz haben nur gut situierte Haushalte.</p>
<p>Doch auch für sie gilt im internationalen Vergleich Langsamverkehr. Mit einer Surfgeschwindigkeit von durchschnittlich 8000 Kilobits pro Sekunde liegt die Schweiz deutlich unter dem OECD-Mittelwert von 17 000 Kilobits (siehe Grafik oben). In Fernost und Nahwest, nämlich in Frankreich, braust der Durchschnittsnutzer sechs- bis zwölfmal schneller durchs Netz. Grund dafür ist, dass erst wenige Schweizer Haushalte mit den schnellen Glasfaserkabeln erschlossen sind.</p>
<p>Anders in Japan, wo die Netz-Infrastruktur später aufgebaut wurde, dafür gleich mit modernster Technologie. Mit durchschnittlich 93 000 Kilobits pro Sekunde ist Japan Geschwindigkeitsweltmeister. In der Schweiz gibt es erst seit wenigen Wochen Haushalte, die überhaupt mit einer solchen Geschwindigkeit surfen können.</p>
<p><strong>Land der Zeitungsleser, Twitter und TV ziehen den Kürzeren</strong></p>
<p>Es gibt aber auch globale Trends, von denen die Schweizer Bevölkerung freiwillig abweicht: Googles Suchmaschinendominanz etwa ist bei uns deutlich weniger ausgeprägt als anderswo. Dies, weil neben Yahoo und Bing auch die hiesige Suchmaschine Search.ch auf erstaunliche 16 Prozent Marktanteil kommt. Der Kurznachrichtendienst Twitter, weltweit auf dem Vormarsch mit über 50 Millionen Nutzern, ist hierzulande ein absolutes Randphänomen. Von 1000 Schweizern twittert ein einziger.</p>
<p>Dafür bleibt die Schweiz ein Land der Zeitungsleser. 92 Prozent der Bevölkerung über 14 Jahre greifen zu gedruckten Nachrichten – das sind mehr als je zuvor. Gleichzeitig profilieren wir uns als Fernsehmuffel und landen im europäischen Vergleich auf dem letzten Rang – dies, obwohl auch in der Schweiz jeder Zehnte mehr als drei Stunden pro Tag vor der Glotze hängt. Wahrscheinlich jene, die bei der Partnersuche im Netz nicht fündig geworden sind. </p>
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		</item>
		<item>
		<title>Kommentar: Etwas viel auf einmal</title>
		<link>http://www.davidbauer.ch/2009/08/26/kommentar-etwas-viel-auf-einmal/</link>
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		<pubDate>Wed, 26 Aug 2009 09:05:23 +0000</pubDate>
		<dc:creator>David Bauer</dc:creator>
				<category><![CDATA[Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[datenschutz]]></category>
		<category><![CDATA[google]]></category>
		<category><![CDATA[kommentar]]></category>
		<category><![CDATA[street view]]></category>

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		<description><![CDATA[David Bauer über das unsensible Vorgehen von Google bei der Einführung von Street View. Medium: SonntagsZeitung Ressort: Fokus Datum: 23.08.2009 Google macht mit Street View die Schweizer Städte virtuell begehbar. Das ist natürlich eine praktische Sache. Ich kann überprüfen, ob die Ferienwohnung wirklich so gut liegt wie versprochen. Ich kann den Treffpunkt eines wichtigen Termins [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>David Bauer über das unsensible Vorgehen von Google bei der Einführung von Street View.</strong></p>
<h4>Medium: SonntagsZeitung<br />
Ressort: Fokus<br />
Datum: 23.08.2009</h4>
<p>Google macht mit Street View die Schweizer Städte virtuell begehbar. Das ist natürlich eine praktische Sache. Ich kann überprüfen, ob die Ferienwohnung wirklich so gut liegt wie versprochen. Ich kann den Treffpunkt eines wichtigen Termins vorab besichtigen. Oder ich kann am Computer schauen, was es in meiner Nachbarschaft zu entdecken gibt. So möchte Google, dass wir seine jüngste Innovation sehen.</p>
<p>Weniger gerne spricht Google über das Thema Datenschutz. Tatsache ist aber: Die Suchmaschinenfirma hat im öffentlichen Raum zwangsweise auch Menschen und Autonummern fotografiert. Sind diese zu erkennen, wird das Schweizer Datenschutzgesetz verletzt. Die Software, mit der Google sämtliche Gesichter und Autonummern automatisch unkenntlich machen will, funktioniert noch zu wenig gut. Bereits sind zahlreiche Bilder aufgetaucht, auf denen Personen oder Autonummern eindeutig zu identifizieren sind. Das Produkt ist ganz offensichtlich nicht ausgereift. Google spricht von Einzelfällen und verweist auf die Möglichkeit, solche Bilder zu melden und entfernen zu lassen.<span id="more-537"></span></p>
<p>Es scheint, als nehme Google die vereinzelten Verletzungen der Privatsphäre als Kollateralschaden in Kauf. Solche sogenannten Systemfehler bis auf Widerruf der Betroffenen zu dulden, entspricht aber nicht dem Schweizer Gesetz. Der oberste Datenschützer, Hanspeter Thür, hat den Dienst zugelassen. Erst jetzt reagiert er und droht, Street View vom Netz zu nehmen, wenn Google die Auflagen zum Schutz der Privatsphäre nicht erfüllte.</p>
<p>Google hat uns nicht gefragt, ob wir fotografiert werden wollen. Google hat nicht informiert, wann und wo die Kameraautos unterwegs sind. Und Google verlangt von uns, dass wir seine Fehler korrigieren. Das ist etwas viel auf einmal und ein unsensibles Vorgehen bei der Einführung eines eigentlich sinnvollen Produkts. </p>
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		<title>Glamouröse Wadenbeisser</title>
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		<pubDate>Mon, 17 Aug 2009 09:12:18 +0000</pubDate>
		<dc:creator>David Bauer</dc:creator>
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		<category><![CDATA[blog]]></category>
		<category><![CDATA[klatsch]]></category>
		<category><![CDATA[porträt]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Kunstfiguren Amber Steele und BJ Hyatt bescheren der Schweiz endlich einen giftigen Klatschblog Von David Bauer Medium: SonntagsZeitung Ressort: Multimedia Datum: 05.07.2009 Im Halbdunkeln ist gut munkeln. Als im Zürcher Kaufleuten der Kolumnist Mark van Huisseling sein neues Buch vorstellt, stehen neben der Bar zwei unscheinbare Gestalten, in Dunkelheit gehüllt. Nur die kleine Flip-Kamera, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Die Kunstfiguren Amber Steele und BJ Hyatt bescheren der Schweiz endlich einen giftigen Klatschblog</strong></p>
<p><em>Von David Bauer</em></p>
<h4>Medium: SonntagsZeitung<br />
Ressort: Multimedia<br />
Datum: 05.07.2009</h4>
<p>Im Halbdunkeln ist gut munkeln. Als im Zürcher Kaufleuten der Kolumnist Mark van Huisseling sein neues Buch vorstellt, stehen neben der Bar zwei unscheinbare Gestalten, in Dunkelheit gehüllt. Nur die kleine Flip-Kamera, mit der sie den ganzen Anlass filmen, verrät, dass die beiden keine ganz normalen Zuschauer sind. Es sind Amber Steele und BJ Hyatt, die fiesesten Klatschreporter der Schweiz. Zusammen betreiben sie den Weblog Klatschheftli.ch, wo sie mit spitzer Feder über die Schweizer ABC-Prominenz schreiben.</p>
<p>Seit Dezember letzten Jahres gibt es das Klatschheftli. Gegen 100 000 Seitenaufrufe erzielte die Website im Juni, für einen jungen Schweizer Blog eine respektable Leistung. Und sie haben geschafft, was das Ziel eines solchen Mediums sein muss: Sie werden geliebt und gehasst. Ihr süffisanter Stil, der piekst und sticht, bisweilen auch unter die Gürtellinie rutscht, provoziert. Immer mal wieder melden sich Agenten von Prominenten bei den Klatschheftlimachern und verlangen, dass Texte geändert oder gelöscht werden.<span id="more-545"></span></p>
<p><strong>«Blick» und «Weltwoche» übernehmen dankbar Klatsch</strong></p>
<p>«Wir wollen so über Promis schreiben, wie man unter Freunden über sie spricht», sagt Amber. «In der Schweizer Klatschpresse sind alle immer so nett, weil sie es sich mit niemandem verscherzen wollen.» Das Klatschheftli befreit die zuweilen schmerzhaft steife Promiberichterstattung aus ihrem Korsett.</p>
<p>Für den unverblümten Stil des Klatschheftli gibt es in den USA sehr erfolgreiche Vorbilder. König der Klatschblogger ist Mario Lavandeira alias Perez Hilton. Seit vier Jahren berichtet er auf seiner Website perezhilton.com über Neuigkeiten und Gerüchte aus der amerikanischen Promiszene. Um Anstand und Tabus kümmert er sich wenig, seine Website gilt als die meistgehasste Hollywoods. 250 Millionen Mal wird seine Website pro Monat durchschnittlich aufgerufen, gleich oft wie hierzulande Blick online und 20 Minuten online zusammen.</p>
<p>Dass nun auch die Schweiz einen bissigen Klatschblog hat, ist einer einfachen Überlegung zu verdanken. Wieso nicht mal aufschreiben, was man unter Freundinnen ohnehin so lästert und tratscht? Ein Blog ist schnell eingerichtet, und schwupps, war es da, das Klatschheftli. Ein Spassprojekt, ohne spezielle Ambitionen. «Geistige Selbstbefriedigung» nennt es BJ.</p>
<p>«Eigentlich interessieren mich Promis gar nicht. Viele kenne ich nicht mal», sagt Amber, auf ihre Motivation angesprochen. BJ nickt sofort zustimmend. Sondern? «Interessant sind die Mechanismen der Selbstinszenierung, die man sehr gut beobachten kann.» Und natürlich kommentieren die beiden genüsslich das Treiben der Schweizer Promis – quick and dirty. Dafür klappern sie regelmässig Szeneanlässe ab, gerne auch mal drei an einem Abend. Inzwischen werden ihnen auch immer öfter Informationen und Gerüchte direkt zugespielt. Unterstützt werden sie von weiteren Autorinnen und Autoren, darunter ein Zahnarzt, eine Stylistin und eine IT-Spezialistin einer Bank.</p>
<p>Da wird also exklusiv über die Trennung von Wetterfee Cécile Bähler berichtet oder Shawne Fielding per Recherche von der Miss Texas zur Miss Excess heruntergestuft. Und in der Rubrik «Missen Dissen» werden, nun ja, Missen und solche, die es noch werden wollen, gedisst («da sind Mädels drunter, die es schon im Vorjahr nicht in die Endrunde geschafft haben oder welche, die an der Miss-Vache-qui-rit-Wahl gescheitert sind»). Der «Blick» hat schon mehrmals dankbar Klatsch vom Heftli übernommen, zuletzt auch die «Weltwoche». Von deren Chefredaktor Roger Köppel hat das Klatschheftli ein doppelt exklusives Video auf der Website. Mit Frau, ohne Krawatte.</p>
<p>Ein schlechtes Gewissen wegen ihrer giftigen Kommentare haben die Autoren nicht. Die Cervelats leben davon und dafür, sich selber zu inszenieren. Da müsse man auch einstecken können. Anderen so auf die Füsse zu treten und dabei selber anonym zu bleiben, ist ziemlich feige, nicht? «Alles, was wir schreiben, würden wir unter unseren richtigen Namen genauso schreiben», entgegnet BJ. Und warum tut ihr es dann nicht? «Wir sind ja nicht besonders spannend, die virtuellen Charaktere Amber und BJ sind viel interessanter.»</p>
<p><strong>Hyatt und Steele: Im Internet prominent, anonym privat</strong></p>
<p>Die Pseudonyme sind kein Versteckspiel, sondern kalkulierte Marketing-Spielerei. Inszenierung durch Maskierung. Tatsächlich haben die beiden Kunstfiguren etwas Geheimnisvolles und scheinen viele zu faszinieren. Amber Steele, der Name ist einer Pornodarstellerin entliehen, hat auf Facebook schon über 2300 Freunde gesammelt. 1600 sind es bei BJ Hyatt («Amerika hat seinen Hilton, also kriegt die Schweiz einen Hyatt», die Initialen huldigen Londons Bürgermeister Boris Johnson, so die offizielle Sprachregelung). Während die fiktiven Klatschreporter langsam selber zu kleinen Internet-Promis werden, bleiben sie unter bürgerlichem Namen unbekannt wie jeder andere.</p>
<p>Das soll so bleiben. Verraten sei dies: Amber ist tatsächlich eine Frau. Trägt blondes Haar, ist 29 Jahre alt und arbeitet bei einem Online-Startup. BJ ist männlich, 50 Jahre alt und Medienberater. Der Rest soll der Fantasie der Leser überlassen werden. Immerhin: So weit wie hier haben sich die beiden noch nie aus dem Halbdunkeln herausgewagt. </p>
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		<title>Sokrates, hilf!</title>
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		<pubDate>Mon, 17 Aug 2009 09:10:56 +0000</pubDate>
		<dc:creator>David Bauer</dc:creator>
				<category><![CDATA[Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[selbstversuch]]></category>
		<category><![CDATA[websites]]></category>

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		<description><![CDATA[Ein Tag in den Händen der Entscheidungsmaschine Hunch.com Von David Bauer Schon Sokrates wusste: Der Weg, einer Sache auf den Grund zu gehen, führt über kluge Gegenfragen. Nun ist Sokrates leider schon eine Weile tot und kann uns nicht mehr helfen bei unseren alltäglichen Entscheidungen, ganz zu schweigen von den grossen Fragen des Lebens. Der [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Ein Tag in den Händen der Entscheidungsmaschine Hunch.com</strong></p>
<p><em>Von David Bauer</em></p>
<p>Schon Sokrates wusste: Der Weg, einer Sache auf den Grund zu gehen, führt über kluge Gegenfragen. Nun ist Sokrates leider schon eine Weile tot und kann uns nicht mehr helfen bei unseren alltäglichen Entscheidungen, ganz zu schweigen von den grossen Fragen des Lebens. Der neu lancierte Webdienst Hunch.com, eine «Entscheidungsmaschine» (siehe Kasten), könnte die Lücke füllen.</p>
<p>Auf über 3000 Fragen weiss Hunch bereits Antworten zu liefern. Die Maschine fragt jeweils so lange nach, bis sie weiss, was zu empfehlen ist. Im Gegensatz zur Suchmaschine Bing, die Microsoft auch als Entscheidungsmaschine anpreist, nimmt einem Hunch tatsächlich die Qual der Wahl ab. Was also liegt näher, als sich einen Tag lang voll auf die Entscheidungen von Hunch zu verlassen?</p>
<p>Der Tag beginnt mit dem Blick in den Spiegel: rasieren oder nicht? Ich tippe meine Frage auf der Website ein. Nein, Rasieren macht mir keinen Spass; die letzte Rasur ist weniger als sieben Tage her; Leute, die ich mag, finden Bart gut, antworte ich auf die Nachfragen. Antwort: nicht rasieren. Ich streife mir ein Hemd über (das passt zum Wetter, zu meiner Stimmung und meinen Tagesplänen, sagt die Maschine) und widme mich dem Frühstück: ein Stück Brot und ein Joghurt (leicht, kalt, schnell zuzubereiten).<span id="more-543"></span></p>
<p><strong>Je mehr Hunch über mich weiss, desto besser wird es</strong></p>
<p>So weit, so unspektakulär. Das hätte ich mir alles auch selber überlegen können. Gerade das aber ist das wahrlich sokratische an der Entscheidungsmaschine. Sie zwingt einem nichts auf, sie hilft einem auf die Sprünge, indem sie die richtigen Überlegungen anregt. Und Hunch kann noch viel mehr. Erst mal muss ich zur Arbeit. Findet nicht Hunch, wohl aber mein Chef.</p>
<p>Sollte ich vielleicht für Google arbeiten?, frage ich mich unterwegs. Kommt nicht in Frage, weiss Hunch («Hast du einen Stanford-Doktortitel in Computerwissenschaft?»). Im Büro gilt es ernst für die Maschine. Eine Digitalkamera möchte ich mir kaufen, Spiegelreflex, günstiger als 600 Franken, Marke egal. Ob ich ein guter Fotograf sei? Naja, mittelmässig. Die Maschine schlägt eine Sony und eine Olympus vor; beide werden auch in Fachmagazinen gelobt. Zu einer Fülle von technischen Geräten weiss Hunch Rat, ob man sie anschaffen soll und wenn ja, welches Modell.</p>
<p>Die Empfehlungen werden umso besser, je länger ich die Seite nutze und je mehr Hunch über mich weiss. Mit bis zu 1250 Informationen über mich und meine Vorlieben kann ich die Maschine füttern. Mit Geschlecht, Alter und Wohnort, aber auch, ob ich gerne unsterblich wäre (weiss nicht), ob ich unter der Dusche singe (nein, nie) und ob ich einen Papierflieger im ersten Anlauf falten kann (ja, klar). Bevor die Maschine eine Empfehlung ausspuckt, vergleicht sie, ob andere nicht singende Papierfalter sie gut fanden.</p>
<p>Beim Mittagessen (Hunch hat mich zum Inder geschickt) will ich meinen Coiffeur anrufen. Doch Moment, das habe nicht ich zu entscheiden. Tatsächlich findet mein digitaler Vormund, ich könne noch zuwarten mit dem Haareschneiden. Eine Tasse Kaffee darf ich mir aber genehmigen? Ja, ist erlaubt (fühle mich leicht schläfrig, spüre kein Herzrasen).</p>
<p><strong>Eine Freundin brauche ich nicht, aber ein Feierabendbier</strong></p>
<p>Beginne den Nachmittag mit einem kurzen Reality-Check. Ich bin nicht Twitter-süchtig. Ich besitze das richtige Handy, aber das falsche Netbook. Eigentlich sollte ich in den USA leben, oder Portugal. Oder auf Barbados, jedenfalls nicht in der Schweiz. Egal, wo ich lebe, eins sollte ich, bevor ich sterbe, auf jeden Fall noch tun (etwas Herausforderndes, Tod nicht in den nächsten zwanzig Jahren erwartet): ein Buch schreiben.</p>
<p>Die kluge Maschine schreckt auch vor den grossen Fragen des Lebens nicht zurück. Soll ich an einen Gott glauben? Soll ich Sex mit der Ex haben? (zweimal: Nein). Selbst bei delikaten Fragen verblüfft Hunch mit sehr klugen Gegenfragen und kommt zu einer nachvollziehbaren Empfehlung. Deshalb weiss sie auch, ob ich eine Freundin brauche: «You’re in heaven, du brauchst keine» (unter anderem musste ich erklären, welche Musik mir am besten gefällt, und aussuchen zwischen Chris de Burgh, Céline Dion, Scooter und Britney Spears).</p>
<p>Der Feierabend ist noch eine gute Stunde entfernt, da stellt sich langsam die Frage: Soll ich heute früher Schluss machen? Ja, geht in Ordnung, meint die Maschine (sonniges Wetter, keine schlimmen Konsequenzen zu befürchten). Und was soll ich dann tun? Ein Feierabendbier trinken. Hunch ist gut.</p>
<p>Da sitze ich also, völlig fremdgesteuert, bei einem kühlen Turbinenbräu. Eine letzte Frage muss mir meine weise Maschine nach diesem strengen Tag noch beantworten. Sollte ich eine Gehaltserhöhung verlangen? Nein, eher nicht, meint Hunch.</p>
<p><em>Entscheidungsmaschine</em><br />
Hunch.com («Intuition») wurde von einer Mitgründerin der Fotowebsite Flickr und einem Team von MIT-Absolventen ins Leben gerufen. Der Dienst hilft beim Fällen von Entscheidungen. Die Alternativen werden dabei schrittweise eingegrenzt, indem der Nutzer Fragen beantwortet, die für die Entscheidung relevant sind. Alle Fragen und Antworten werden von Nutzern erfasst und bewertet, sodass der Dienst stetig dazulernt. Ein Algorithmus kombiniert sie dann so, dass sie zu einer tragfähigen Empfehlung führen. Derzeit werden 80 Prozent aller Ergebnisse von den Nutzern für gut befunden. Angestrebt werden 90 bis 95 Prozent.</p>
<p>Medium: SonntagsZeitung<br />
Ressort: Multimedia<br />
Datum: 19.07.2009</p>
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