Was den Mediendarling “Stop Offroader-Initiative” so heiss macht
September 10, 2008 (updated on October 24, 2009)
Heute gelesen: BMW plant eine Offroader-Version des guten alten Mini, den Mini Crossman. Dabei gedacht: Wahrscheinlich kontert Mercedes das bald mit einem Not-So-Smart.
Was mich zum Thema Offroader bringt, genauer gesagt zur Stop Offroader-Initiative. Es ist faszinierend zu beobachten, wie dieses Thema die Medien, allen voran das Fernsehen fesselt. Seit die Initiative eingereicht wurde, gab es dazu StreitgesprĂ€che in drei der wichtigsten Diskussionsformate im Deutschschweizer Fernsehen: In der Arena, im Club und im Talk TĂ€glich auf Tele ZĂŒri.
Warum ist das so?
Die Konstellation bietet alles, was fĂŒr die Medien, insbesondere das Fernsehen, attraktiv ist. Es ist ein grosses Thema (Klimaschutz, Sicherheit), das jedoch heruntergebrochen werden kann auf ein einfaches Symbol (das Auto). Es birgt Konfliktpotenzial in diversen Diskursen, kann aber jeweils auf ein Duell zugespitzt werden, in dem ausserdem auf beiden Seiten starke Protagonisten stehen.
Im Einzelnen:
Das Thema: Ziel der Initiative ist laut den Initianten, das Klima zu schĂŒtzen und die allgemeine Sicherheit auf den Schweizer Strassen zu verbessern. Beides Themen, die mehr oder weniger jeden Schweizer betreffen. Denn wer sich nicht um das Klima sorgt, sorgt sich zumindest um die eigene Sicherheit, wenn er sein Haus verlĂ€sst.
Das Symbol: Im Zentrum des Interesses steht ein einfaches, aber sehr starkes Symbol: das Auto. Das Auto ist fĂŒr viele mehr als nur ein Fortbewegungsmittel. Ein Auto steht fĂŒr persönliche Freiheit, Prestige und Lebensfreude einerseits, fĂŒr Gefahr, Umweltbelastung und Dekadenz andererseits. Zusammen mit der Armee und der Landwirtschaft bildet das Auto so etwas wie das Triumvirat der heiligen KĂŒhe in diesem Land – wobei es wahrscheinlich von den dreien noch den grössten RĂŒckhalt geniesst.
Die Diskurse: Im Kern geht es um etwas simples, nĂ€mlich um einen staatlichen Eingriff, der auf einen Markt korrigierend einwirken soll, der negative externe Effekte auslöst. Damit verbunden ist das erste Konfliktfeld: Etatismus versus Liberalismus (und heruntergebrochen: der einzelne BĂŒrger gegen den bevormundenden Staatsapparat). Weil die Initative vornehmlich teure Autos betrifft, wird der Neiddiskurs aktiviert, Normalverdiener versus Besserverdiener. Es geht um die Autoindustrie, um die Wirtschaft, um ArbeitsplĂ€tze. Es geht um die EU. Und damit sind erst einige der zentralen Diskurse angesprochen. Entscheidend dabei ist, dass jeweils diametral entgegengesetzte Positionen aufeinander prallen, die per se keine Kompromisse zulassen und die gut als Duell inszeniert werden können. Ein Duell, in welchem Feindbilder geradezu zelebriert werden können.
Die Protagonisten: Ein (Rede-)Duell lebt von seinen Protagonisten. Auf der einen Seite steht ein telegener Shootingstar der Schweizer Politik, der grĂŒne Nationalrat und Initiant Bastien Girod. Auf der anderen Seite zwei bissige Polterer, SVP-Nationalrat und Transportunternehmer Ulrich Giezendanner (in der Arena) und JĂŒrg Scherrer, PrĂ€sident des Gegenkommittees (im Club und im Talk TĂ€glich). Schöner könnte die Ausgangslage fĂŒr das Fernsehen nicht sein: Junger, grĂŒner Rebell fĂ€hrt altem, rechten Autolobbyisten wortwörtlich an den Karren.
Soweit die Analyse aus journalistischer Sicht. AnzufĂŒgen sind noch zwei Dinge.
1. Es ist bedauerlich, dass im Zuge dieser Debatte jemand wie JĂŒrg Scherrer, der sich in der Vergangenheit mit verschiedenen, teilweise auch justiziablen Ăusserungen disqualifiziert hat, wieder eine grosse Plattform in der Ăffentlichkeit erhĂ€lt.
2. FĂŒr Duelle gelten klare Spielregeln. Mord- und Ă€hnliche Drohungen gegen Girod und andere junge Menschen, die sich fĂŒr die Initiative einsetzen, sind weit jenseits dieser Spielregeln und trĂŒben den Spass, den solche kontroversen Debatten zweifelsohne beinhalten, massiv.


























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