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So tickt und klickt die Schweiz

October 17, 2009 (updated on October 24, 2009)

Digital-Report 2009: Wie wir Informations- und Unterhaltungstechnologie nutzen

Von David Bauer

Medium: SonntagsZeitung
Ressort: Multimedia
Datum: 20.09.2009

Im Jahr 2010 werden zwei Millionen Menschen in der Schweiz ein Handy besitzen. Dies errechnete das Bundesamt für Kommunikation vor zwölf Jahren. Und lag damit ordentlich daneben. Wie so manche Zukunftsprognose ist auch diese längst von der Wirklichkeit überholt worden. Heute besitzen in der Schweiz 6,7 Millionen Menschen ein Handy, Mobilfunk-Abos gibt es inzwischen gar mehr als Einwohner.

Die Schweizer Informationsgesellschaft hat sich rasant entwickelt. So rasant, dass es manchmal schwerfällt, den Überblick zu bewahren. Die SonntagsZeitung hat deshalb Zahlen aus über 30 verschiedenen Studien zusammengetragen und ausgewählt. Sie geben einen Einblick in das digitale Leben, wie es in der Schweiz im Jahre 2009 aussieht.

Die Schweiz drängt unaufhaltsam ins Internet. Vier von fünf Schweizern nutzen es heute, die meisten täglich. Pro Monat verbringt der Durchschnittsbürger 31 Stunden im Netz. Damit verschieben sich immer mehr klassische Offlinetätigkeiten in Richtung Internet. Jeder Dritte kauft online ein, jeder Vierte liest täglich Nachrichten im Netz, jeder Fünfte besorgt sich Musik via Downloads.

Neue Partnerschaften per Internet sind sehr gefragt

Wenn immer mehr Menschen im Netz sind, liegt es nahe, Kontakte dort zu pflegen. Jeder zweite Schweizer ist bei einem sozialen Netzwerk angemeldet, alleine die Schweizer Facebook-Gemeinde ist inzwischen so gross wie die gesamte Westschweiz. Und wenn man bestehende Kontakte online pflegen kann, dann kann man bestimmt auch neue knüpfen. Fast jeder Dritte hat schon mal versucht, auf diesem Weg eine Partnerin oder einen Partner zu finden, die Mehrheit allerdings noch ohne Erfolg.

Wesentlichen Anteil an dieser Zuneigung zum Internet hat die gute Ausstattung der Schweizer Haushalte mit Computern und Internetanschlüssen. Drei Viertel aller Haushalte sind mit dem Netz verbunden, fast die Hälfte davon via Breitband. Damit steht die Schweiz im internationalen Vergleich gut da (siehe Grafik Seite 94). Nicht alle profitieren davon aber gleichermassen. Beim Blick hinter die Durchschnittswerte tun sich digitale Gräben auf, die mitten durch die Schweiz gehen. Und dies nicht nur zwischen den Generationen. Es ist nach wie vor so, dass mehr Männer als Frauen das Internet nutzen (79 gegenüber 64 Prozent, die mehrmals pro Woche online sind). Ein besonders augenfälliger Graben klafft zwischen den Einkommensschichten: Nur 41 Prozent der Haushalte mit den tiefsten Einkommen verfügen über einen Internetanschluss, dagegen 98 Prozent der reichsten Haushalte (siehe Grafik oben). Zwar verzerren andere Faktoren wie das Alter diese Statistik ein wenig, an der Kernaussage ändert das aber nichts: Flächendeckenden Zugang zum weltweiten Wissens- und Unterhaltungsnetz haben nur gut situierte Haushalte.

Doch auch für sie gilt im internationalen Vergleich Langsamverkehr. Mit einer Surfgeschwindigkeit von durchschnittlich 8000 Kilobits pro Sekunde liegt die Schweiz deutlich unter dem OECD-Mittelwert von 17 000 Kilobits (siehe Grafik oben). In Fernost und Nahwest, nämlich in Frankreich, braust der Durchschnittsnutzer sechs- bis zwölfmal schneller durchs Netz. Grund dafür ist, dass erst wenige Schweizer Haushalte mit den schnellen Glasfaserkabeln erschlossen sind.

Anders in Japan, wo die Netz-Infrastruktur später aufgebaut wurde, dafür gleich mit modernster Technologie. Mit durchschnittlich 93 000 Kilobits pro Sekunde ist Japan Geschwindigkeitsweltmeister. In der Schweiz gibt es erst seit wenigen Wochen Haushalte, die überhaupt mit einer solchen Geschwindigkeit surfen können.

Land der Zeitungsleser, Twitter und TV ziehen den Kürzeren

Es gibt aber auch globale Trends, von denen die Schweizer Bevölkerung freiwillig abweicht: Googles Suchmaschinendominanz etwa ist bei uns deutlich weniger ausgeprägt als anderswo. Dies, weil neben Yahoo und Bing auch die hiesige Suchmaschine Search.ch auf erstaunliche 16 Prozent Marktanteil kommt. Der Kurznachrichtendienst Twitter, weltweit auf dem Vormarsch mit über 50 Millionen Nutzern, ist hierzulande ein absolutes Randphänomen. Von 1000 Schweizern twittert ein einziger.

Dafür bleibt die Schweiz ein Land der Zeitungsleser. 92 Prozent der Bevölkerung über 14 Jahre greifen zu gedruckten Nachrichten – das sind mehr als je zuvor. Gleichzeitig profilieren wir uns als Fernsehmuffel und landen im europäischen Vergleich auf dem letzten Rang – dies, obwohl auch in der Schweiz jeder Zehnte mehr als drei Stunden pro Tag vor der Glotze hängt. Wahrscheinlich jene, die bei der Partnersuche im Netz nicht fündig geworden sind.

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