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Befreiungsschlag

December 20, 2007 (updated on October 24, 2009)

Coldplay im Zürcher Hallenstadion: Die Briten erfüllten beim Konzert in Zürich alle Erwartungen – fast.
DAVID BAUER.

Medium: Basler Zeitung
Ressort: Kultur
Datum: 14. November 2005

Zwölf Minuten: Genau so lange hatte es Anfang August gedauert, bis das Konzert von Coldplay ausverkauft war. Und genau so lange brauchen die vier Engländer am Samstagabend, um die Stimmung zum Kochen zu bringen. Mit fulminanter Lichtshow und «Square One» von ihrem aktuellen Album eröffnen sie den Abend, um mit «Politik» gleich einen ihrer Klassiker folgen zu lassen. Nach exakt zwölf Minuten stimmt Sänger Chris Martin «Yellow» an – und bricht den Song nach wenigen Akkorden wieder ab. Von einem Karton, der ihm zugeworfen wurde, liest er ab: «Switzerland 1, Turkey 0». 13 000 Kehlen jubeln Martin entgegen, dieser hält fest: «Ein guter Start für euch.» Auch Coldplay ist damit der Einstieg geglückt.

Speed. Im gleichen Stil geht es weiter. Auf «Yellow» folgt die aktuelle Single «Speed of Sound». Nach vier Songs haben Coldplay bereits drei ihrer grössten Hits gespielt und ein Feuerwerk an Emotionen gezündet. Wer so früh sein Pulver verschiesst, ist entweder töricht oder strotzt vor Selbstbewusstsein. Eher Letzteres, wenn man den vier Briten dabei zusieht, mit welchem Selbstverständnis sie sich in Szene setzen.

Rückblickend mutet der forsche Beginn wie ein Befreiungsschlag an. Innert fünf Jahren sind Coldplay zu einer der grössten Bands der Welt avanciert, die Erwartungen sind immens. Es scheint, als wollten die Superstars ihrem Publikum gleich zu Beginn die Songs geben, auf die es wartet; um danach als Musiker und nicht als Entertainer wahrgenommen zu werden.

Bezeichnenderweise haben Coldplay aber bei den Songs gegen Mitte des Sets, in denen sie sich mit weniger Dramatik inszenieren und ihre Musik ins Zentrum stellen, ihre schwächeren Momente. Coldplay scheitern auf hohem Niveau beim Versuch, die Schwermut ihrer Songs zum Gefühl des Abends zu machen.

Goldfrapp. Anders als bei der Vorgruppe Goldfrapp gelingt es Coldplay, gegen Ende ihres Konzerts nochmals aufzutrumpfen. Chris Martin intoniert alleine am Piano «The Scientist», Jonny Buckland setzt mit akustischer Gitarre ein, schliesslich wächst der Song mit Bass und Schlagzeug zum Highlight des Konzerts. Jetzt gelingt es der Band, aus bedrückender Ernsthaftigkeit unbändige Energie und pure Spielfreude zu entwickeln. Danach halten Coldplay das hohe Niveau. Bei der perfekt vorgetragenen Hymne «Clocks» steht die ganze Tribüne. Das Spiel ist für Coldplay endgültig gewonnen, als Chris Martin nach der Zugabe «In My Place» verkünden kann, dass die Schweiz ihr Fussballspiel gewonnen hat.

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