Auf Bonos Melodiespuren
December 23, 2007 (updated on October 24, 2009)
Einige sehen in ihnen die neuen U2. Razorlight wollen aber erst einmal ein Debütalbum bestätigen, das von Kritikern bejubelt wurde und sich über eine Million Mal verkauft hat.
DAVID BAUER
Medium: Basler Zeitung
Ressort: Kultur
Datum: 19. August 2006
Es beginnt mit einem stampfenden Drumbeat wie aus dem Lehrbuch, Gitarre und Bass fügen sich nahtlos ein und ergeben schliesslich eine Melodie, die einen nicht mehr loslässt. So haben sich Razorlight Anfang Juli zurückgemeldet: Mit der Single «In The Morning». «Wir haben diesen Song gewählt, weil er eine gute Brücke schlägt zwischen dem alten und dem neuen Album», erklärt Andy Burrows, der Schlagzeuger der Band, im Gespräch mit der baz. Dass der Song nun auch das Album eröffnet, passt ausgezeichnet: «In The Morning» markiert einen Übergang vom Debütalbum zum Zweitling, man möchte fast schon von einer Ablösung sprechen.
AUSGENÜCHTERT. Bei ihrem berauschenden Debütalbum waren sie «Up All Night», nun sind Razorlight am Morgen danach angekommen. Ihr Zweitling, schlicht nach der Band benannt, klingt nüchterner, abgeklärter › aber nicht minder interessant. Und auch wenn Sänger und Songschreiber Johnny Borrell in «In The Morning» singt, er würde sich am Morgen an nichts mehr erinnern: Hängen geblieben ist einiges. Vor allem Borrells Faible für grosse Melodien. Diese kommen umso mehr zur Geltung, als die Marschrichtung jetzt klar heisst: grossformatiger Pop. Dies ganz im Gegensatz zum Debüt, auf dem rotziger Rock dominierte. «Dieses Album ist eine Sammlung von zehn Popsongs», hält Burrows fest. Während das Debüt als kompaktes Ganzes überzeugte, hört sich der Nachfolger an, wie eine Ansammlung potenzieller Single-Auskopplungen.
VIELSEITIG. Die Dichte an guten Songs zeichnet Razorlights zweites Album aus. Kaum ein Song fällt ab, auch dank der neu gewonnenen Vielseitigkeit, die die Band aus London an den Tag legt. Diese sei mitunter das Resultat gestiegener Ansprüche. «Wir wollten die Latte höherlegen, wir brauchten eine neue Herausforderung», erklärt Burrows. Mit dem Grundton Pop werden die verschiedensten Variationen kreiert, nicht zuletzt dank Borrells aussergewöhnlicher Stimme.
So klingt etwa «Before I Fall to Pieces» wie eine folkige Version der Libertines, bei denen Borrell früher für eine kurze Zeit am Bass stand. «America» bezeichnet die Band selber als Bastard von Cyndi Lauper und Arcade Fire; Anleihen von Americana sind nicht zu überhören. «Pop Song 2006» wiederum ist eine Mischung aus Sprechgesang in den Strophen und einem Refrain, den U2 nicht anders spielen würden.
FREUNDE. In England kommt die Mischung an. Als das Album auf der Insel vor einem Monat veröffentlicht wurde, schoss es direkt an die Spitze der Charts. Überrascht hat das die Band nicht: «Wir sind davon ausgegangen, dass sich unser Album so gut verkauft», sagt Burrows › und ist spürbar glücklich darüber: «Eigentlich ist es, wie wenn dein Kind den ersten Schultag hat: Du hoffst, dass es viele Freunde findet.» Freunde soll das Album nun vor allem fern von England finden. «Unsere Priorität bei diesem Album liegt klar bei den Märkten ausserhalb von Grossbritannien», sagt Burrows. Als die neuen U2 bezeichnet zu werden, schadet dabei sicher nicht? «Natürlich ist es schön, mit einer der grössten Bands der Welt verglichen zu werden. Aber das interessiert mich nicht wirklich › Hauptsache unser Sänger beginnt nicht wie Bono zu frömmeln.»
> Razorlight: «Razorlight», Universal.


























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