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Müssen Journalisten ihre politische Einstellung deklarieren? Ein Diskussionsbeitrag.

by David Bauer. Lesedauer: knapp 4 Minuten.

Ein Journalist, der es mit der Transparenz ernst meint, deklariert seine politische Einstellung nicht einfach so. In diesem Artikel erkläre ich, wie ich das meine.

Eine kurze Rekapitulation: Der Weltwoche-Autor Andreas Kunz hatte diese Woche per Mail zahlreiche Journalistinnen und Journalisten von Schweizer Radio und Fernsehen (SRF) gebeten, ihm eine Reihe von Fragen zu ihrer politischen Gesinnung und allfälligen Mitgliedschaften bei Parteien, Gewerkschaften oder NGO zu beantworten (im Detail nachzulesen in der Medienwoche). Die Journalistengewerkschaft ssm hat daraufhin öffentlich “gegen die politische Gesinnungsschnüffelei” der Weltwoche protestiert (siehe Medienmitteilung). Mein Kollege Barnaby Skinner sowie die Blogger von infamy haben besonnener reagiert und einfach den Spiess umgedreht und die Weltwoche nach ihren politischen Verbindungen gefragt.

Der Mythos von den linken Medien wird von solchen hochgehalten, die so weit rechts stehen, dass ihnen schon die Mitte links vorkommt.

Dazu ist zunächst festzuhalten: Natürlich hat die Weltwoche das Recht, jeder Person und Institution jene Fragen zu stellen, die sie für relevant hält. Genauso hat jeder Angefragte die Möglichkeit, die Auskunft (aus verschiedenen Gründen) zu verweigern. Und natürlich ist das Motiv der Weltwoche-Anfrage leicht zu erahnen. Es geht darum, “Belege” für das angeblich “linke Staatsfernsehen” zu sammeln, das mit Gebührengeldern Propaganda für die politische Linke mache. Die Weltwoche ist neben der SVP jene Institution, die am lautesten den Mythos aufrecht erhält, Schweizer Medien und Journalisten seien praktisch allesamt politisch links zu verorten. Wer sich eine Weile in der Schweizer Journalistenszene bewegt hat, weiss, dass dies Unsinn ist. Der Mythos von den linken Medien wird von solchen hochgehalten, die so weit rechts stehen, dass ihnen schon die Mitte links vorkommt. Oder etwas mathematischer: Je weiter man auf einer Gauss-Kurve nach rechts geht, desto grösser die Fläche links davon.

Dies ändert freilich nichts daran, dass die Frage diskussionswürdig ist: Müssen Journalisten ihre politische Einstellung deklarieren?

Meine Antwort: Journalisten sollen so transparent wie möglich sein. Und genau deshalb nicht einfach so ihre politische Einstellung deklarieren.

Das mag auf den ersten Blick widersprüchlich erscheinen. Selbstverständlich habe ich eine politische Einstellung. Ich halte mich auch nicht zurück, diese zu einzelnen Themen dezidiert zu äussern (meist via Twitter). Wer meine Spuren im Netz nachverfolgt, hat keine grosse Mühe, mich politisch zu verorten. Damit der interessierte Leser an dieser Stelle nicht googlen muss: Ich würde mich klar links der Mitte verorten, wobei ich in Wirtschaftsfragen generell liberaler als die Linke eingestellt bin und mich oft genug ärgere, wie SP und Grüne politische Themen angehen.

Journalisten dazu aufzufordern, ihre politische Einstellung zu deklarieren, bedeutet, diese als einzig relevanten oder zumindest den alles überlagernden Einflussfaktor auf das journalistische Produkt anzunehmen.

Ich bin auch nicht so naiv zu glauben, dass diese politische Einstellung mein journalistisches Schaffen nicht in gewisser Weise beeinflusst. Der Punkt ist aber der: Ich bin genauso beeinflusst von der Tatsache, dass ich ein Mann bin, mehr als der Schweizer Durchschnitt verdiene, keiner Religion angehöre, seit über 25 Jahren in Basel lebe, noch nie in Afrika war, Freundschaften mit zahlreichen Personen aus dem Musikgeschäft pflege, Angst vor Hunden habe, etc. etc.

Journalisten dazu aufzufordern, ihre politische Einstellung zu deklarieren, bedeutet, diese als einzig relevanten oder zumindest den alles überlagernden Einflussfaktor auf das journalistische Produkt anzunehmen. Diese monokausale Logik ist genauso verfehlt wie die nach wie vor verbreitete Annahme, bei Verbrechen sei insbesondere die Nationalität der Täter von Interesse.

Journalisten sollen so transparent wie möglich sein. Und genau deshalb nicht einfach so ihre politische Einstellung deklarieren.

Was der Öffentlichkeit effektiv dient, ist Transparenz von Journalisten. Als Absender von Information sind sie umso glaubwürdiger, je besser die Empfänger wissen, mit was für einem Menschen sie es zu tun haben, wofür er steht und wie er als Journalist arbeitet (wie ich dies bereits im Artikel «Der Journalist im Netz – was muss er sein, was muss er können?» dargelegt habe). Gleiches gilt für ganze Medienhäuser: Wer finanziert sie, mit wem arbeiten sie zusammen, welche Abhängigkeiten bestehen?

Der einzelne Journalist tut also gut daran, sich nicht auf seine politische Einstellung festnageln zu lassen. Stattdessen sollte er – das Netz bietet ihm genügend Möglichkeit dazu – in möglichst grossem Masse für Transparenz über seine Person sorgen, selbstverständlich immer unter Wahrung seiner eigenen Privatsphäre sowie jener von Angehörigen. Wenn er dies tut, gibt er seinem Publikum und möglichen Kritikern genügend Möglichkeit, nachzuprüfen, ob er seiner Aufgabe als Journalist gewissenhaft nachkommt, nämlich ausgewogen zu berichten. Die perfekte Objektivität, die gibt es nirgendwo.

26 comments on ‘Müssen Journalisten ihre politische Einstellung deklarieren? Ein Diskussionsbeitrag.’

  1. [...] vom 6. März: David Bauer hat sich gestern auch zur Anfrage der Weltwoche geäußert und dabei diese wichtige Anmerkung vorgenommen: Ich bin auch nicht so naiv zu glauben, dass diese [...]

  2. Michèle Binswanger sagt:

    Du bringst es ziemlich auf den Punkt. Von wem die Verlage finanziert werden ist die wichtigere Frage als die politische Einstellung jener im Einzelnen, die auf ihrer Lohnliste stehen.

  3. Ronnie Grob sagt:

    “Was der Öffentlichkeit effektiv dient, ist Transparenz von Journalisten.” Das schreibst Du.

    Und wieso genau soll jetzt die politische Haltung nicht auch Teil dieser Transparenz sein? Sorry, aber ich hab das jetzt auch nach Lektüre dieses Artikels nicht verstanden.

  4. David Bauer sagt:

    Logisch soll sie Teil der Transparenz sein. Darum geht’s ja gerade: “Teil der”.

  5. Ronnie Grob sagt:

    Wieso schreibst Du denn “Ein Journalist, der es mit der Transparenz ernst meint, deklariert seine politische Einstellung nicht einfach so.”

    Also soll jetzt ein Journalist seine politische Haltung deklarieren oder nicht? Ja oder nein? Machst Du es oder nicht?

  6. @Michèle Binswanger:

    Du bringst es ziemlich auf den Punkt. Von wem die Verlage finanziert werden ist die wichtigere Frage als die politische Einstellung jener im Einzelnen, die auf ihrer Lohnliste stehen.

    Tatsächlich auch eine interessante Frage. Weiss man es auch nur von einem einzigen grösseren Schweizer Verlag?

    @David Bauer:

    Die Fragen, die in der «Medienwoche» zu lesen sind, zielen nicht bloss auf politische Einstellungen ab, sondern auf politische Aktivitäten, insbesondere auch Mitgliedschaften in entsprechenden Organisationen. Darin sehe ich einen relevanten Unterschied, denn eine politische Einstellung hat jeder, aber politisch aktiv sind nur wenige.

    Bei dieser Gelegenheit gefragt: Worin besteht der Unterschied zwischen «links der Mitte» und «links»?

  7. David Bauer sagt:

    Okay Ronnie, vielleicht habe ich mich etwas missverständlich ausgedrückt, werde das morgen nochmals anschauen. Meine zentrale Aussage ist die, dass es verfehlt ist, einen Journalisten auf seine politische Einstellung zu reduzieren und damit anzunehmen, dass diese monokausal seine Berichterstattung präge.

    Zu deinen Fragen: 1. Ja, soll er. Aber nicht auf die plumpe Art, wie du, Weltwoche und SVP sich das vorstellen. 2. Steht im Text.

  8. bugsierer sagt:

    beste replik bisher auf das dämliche transparenzgedöns der weltwoche.

    diese disqualifiziert sich einmal mehr durch demagogischen und ideologischen journalismus. die einzige möglichkeit, eine solche transparenzorgie zu iniziieren wäre die, mit eigenem beispiel voranzugehen. davon ist die wewo lichtjahre entfernt – mal ganz abgesehen von der undurchsichtigen und extrem untransparenten finanzierungsstruktur des blocherschen kampfblatts.

    @ronnie
    in deiner vor zwei tagen oder so aufgeschalteten “selbstdeklaration” zeichnest du ein stimmiges bild deiner haltungen:
    http://blog.ronniegrob.com/author/
    stimmt weitgehend mit dem überein, wie ich dich in den letzten jahren im netz wahrgenommen habe. aber was soll ein leser damit anfangen, der zum ersten mal etwas von dir liest? er wird einen weltwochigen eindruck haben von dir und die nuancen nicht sehen – zu deinem nachteil. und schliesslich muss man nicht svp mitglied sein, um svp wähler zu sein. und wer garantiert mir, dass du wirklich nicht svp mitglied bist? wir können ja alle in unsere websites reinschreiben, was wir wollen.

    es zählt letztlich, was du machst resp. gemacht hast. warum verschweigst du in deiner “selbstdeklaration” deine arbeit bei bildblog und bei blogwerk/medienlese?

  9. @bugsierer:

    es zählt letztlich, was du machst resp. gemacht hast. warum verschweigst du in deiner “selbstdeklaration” deine arbeit bei bildblog und bei blogwerk/medienlese?

    Du hast http://blog.ronniegrob.com/author/ verlinkt und dort lese ich unter anderem folgendes:

    2006 – 2009: Mitarbeit medienlese.com, ein Medienblog der Blogwerk AG.
    Seit 2007: freier Journalist in Berlin
    Seit 2009: Mitarbeit bildblog.de, ein Watchblog deutschsprachiger Medien

  10. bugsierer sagt:

    oh, das hab ich wohl übersehen. sorry an alle.

  11. Ronnie Grob sagt:

    @bugsierer: Ich garantiere Dir, dass ich nicht SVP-Mitglied bin. Das kannst Du mir glauben oder auch nicht.

    @David Bauer: Eigentlich hab ich mir gar keine Art vorgestellt, schon gar keine “plumpe Art”.

    Der Text, der in meinem Profil steht, ist auch nichts weiter als ein Versuch, Transparenz zu schaffen. Und ja, ich würde mir wünschen, von anderen Journalisten und Medienunternehmen auch solche Texte im “über mich” / “über uns” zu lesen. Wenn ich weiss, von wem jemand bezahlt ist und wie er grundsätzlich denkt, dann kann ich doch seine Stücke viel besser einschätzen. Es ist dabei gar nicht nötig, dass ich einverstanden bin mit seiner Haltung.

    Was mich oft wundert bei der Diskussion, ist die Vorstellung, eine Haltung zu haben sei irgendwie etwas Verwerfliches. Dabei ist doch das Gegenteil der Fall! Wenn ein Medienschaffender, der den ganzen Tag liest und denkt, sich nicht wenigstens in seinem Spezialgebiet eine Meinung bildet, ist das doch ein Armutszeugnis für ihn, oder nicht? Natürlich gibt es auch jene, die sich nie je festlegen wollen und alle Argumente stets in der Schwebe sehen. Aber auch diese Leute haben Interessen und gehen zur Wahl und zu den Abstimmungen.

    Nochmals: Die Selbstdeklaration, die ich aufgeschaltet habe (nachdem ich sie über Wochen bereit gehalten habe und unsicher war, ob ich sie jetzt wirklich so rauslassen soll), ist nichts mehr als das, was ich bei anderen gerne so oder so ähnlich lesen würde. Es gibt bestimmt bessere und treffendere Ansätze, ich würde die gerne lesen (und von ihnen lernen).

    Philippe Wampfler hat seine Haltungen und Interessensverbindungen hier veröffentlicht:

    http://philippe-wampfler.com/uber-mich/

    Hat jemand weitere Beispiele?

  12. David Bauer sagt:

    Ronnie, du hast bisher noch keine Stellung zu meiner zentralen Aussage bezogen, nämlich dass die einseitige Fokussierung auf die politische Einstellung von Journalisten völlig verfehlt ist. Wenn SVP, Weltwoche und eben auch du gebetsmühlenartig wiederholen, dass praktisch alle Journalisten und Medien links positioniert seien, dann geht es dabei nicht vorrangig um Transparenz, sondern darum, einen monokausalen Zusammenhang zu suggerieren, der zwischen der politischen Einstellung eines Journalisten, einer Redaktion oder eines ganzen Mediums und deren journalistischer Erzeugnisse bestehe. Daraus abzuleiten wäre nach dieser Logik, dass die Wahrheit zwangsläufig irgendwo rechts dessen liegen müsste, was all diese linken Journalisten schreiben. Das ist schlicht Blödsinn.

    Wenn ich Transparenz von Journalisten fordere, dann geht diese eben bewusst weiter als zu deklarieren, wo man politisch steht. Weil Transparenz erst durch den Einbezug einer vielzahl von Faktoren tatsächliche Aussagekraft gewinnt. Ich halte darum einen im Netz nachvollziehbaren Track-Record eines Journalisten für wesentlich aussagekräftiger als eine plumpe Erklärung: ich stehe politisch hier.

  13. Ronnie Grob sagt:

    @David Bauer: Was ausser der politischen Haltung und den Geldgebern ist denn Deiner Meinung nach ausserdem deklarierenswert für einen Journalist oder ein Medienunternehmen? Was alles gehört in die Auflistung? Was deklarierst Du konkret auf Deiner Website?

    Welcher Zusammenhang zwischen der politischen Haltung eines Journalisten und seiner Arbeit besteht, kann niemand sagen, das bleibt Spekulation. Sowas könnte höchstens eine wissenschaftliche Arbeit herausfinden. Falls es solche Arbeiten gibt, höre ich gerne davon.

    Einen Zusammenhang nehmen aber so viele an (ob jetzt Linke bei Mitarbeitern von rechten Medien oder umgekehrt), dass es meines Erachtens für jeden, der publiziert, Sinn macht, seine Position transparent zu machen.

  14. M.M. sagt:

    Nein, die ist doch klar. :-)

  15. Ich finde David Bauers Hauptaussage sehr gut. Die Einstellung einer Journalistin oder eines Journalisten allein färbt einen Bericht noch nicht. Es ist komplizierter. Schade ist sein Ansatz, wie Medienschaffende ihre Einstellungen kundtun sollen, ein wenig ungenau. “([...] nicht einfach so ihre politische Einstellung deklarieren”, das klingt nach Schnitzeljagd für die Leser-, Hörerschaft oder die Zuschauerinnen. Zu Ende gedacht bedeutet das, dass Medienschaffende ihre Einstellung wiederum überhaupt nicht irgendwo öffentlich machen sollen, weil alle Medienkonsumenten diese ohnehin aus den Beiträgen herauslesen können. Das finde ich irgendwie auch unbefriedigend, weil sie das eben gerade nicht immer können (meine Mutter – die sonst viele Qualitäten hat und hier als Beispiel herhalten muss – dachte, die Weltwoche sei eher links). Einen Zwang für diese Offenlegung sollte es bei privaten Medien bestimmt nicht geben, aber es ist eben doch ein Mehrwert für alle, die Medienbeiträge lesen – insbesondere wenn auch die Hundephobie erwähnt wird. Hier könnten einige Medienhäuser noch viel Potenzial ausschöpfen.

    Was bisher nicht diskutiert wurde, ist die Frage, ob das Kundtun der Einstellung für alle Ressorts, also auch für Sport, Kultur und andere, sinnvoll ist.

  16. Kaspar Surber sagt:

    Das mit der Angst vor Hunden ist gut. Ich finde, JournalistInnen sollten vor allem keine Angst vor Hunden haben.

  17. David Bauer sagt:

    @Ronnie
    Wie gesagt, ich halte nicht viel von einer Deklaration im Sinne von “Achtung, dieser Journalist enthält Spurenelemente von linkem Gedankengut”. Ein Journalist sollte einen im Netz nachvollziehbaren Track-Record haben. Das gibt mir im Zweifel ein viel kompletteres Bild dessen, wer hinter einem Text steht und wovon er möglicherweise beeinflusst ist. Eine simple Deklaration wird schlicht der Sache nicht gerecht.

  18. @David Bauer:

    Eine simple Deklaration wird schlicht der Sache nicht gerecht.

    … selbst bei einer Mitgliedschaft in einer Partei oder NGO nicht?

  19. David Bauer sagt:

    @Martin Steiger
    Wenn du fragst, ob ein Journalist solcherlei transparent machen soll: ja, soll er. Das läuft unter dem von mir erwähnten Track-Record. Als reine Deklaration greift es mir zu kurz. Der eine Journalist ist passives Mitglied bei Amnesty International, der andere lässt sich regelmässig als Referent zu SVP-Veranstaltungen einladen, ist aber bei keiner Partei Mitglied. Wie sind nun diese potenziellen Einflussfaktoren zu gewichten? Ich besitze Aktien von VW, finde aber aus ökologischen Überlegungen den öffentlichen Verkehr generell unterstützenswerter als Autos – was beeinflusst mich jetzt wie?

    Journalisten sind in allen mir bekannten Fällen Menschen und damit mehrdimensional. Eine Etikettierung nach rein politischen Kategorien führt nirgendwo hin. Wer mich googlet und/oder regelmässig liest, weiss in meinem Fall genug über mich, um meine Texte einordnen zu können.

  20. @David Bauer: Frage geklärt, merci!

  21. Constantin Seibt sagt:

    @ David: Goliathmässiger Kommentar! Es ist genau dieser Wahnsinn von Köppel & Somm, dass alle Themen im links-rechts-Schema liegen und dass zu Liebe, Geld, Tier, Kindern oder was der Teufel was jeweils eine kryptopolitische Position bezogen wird – oder die Sache beim Lesen immer so klingt: Man weiss nie, wenn man das Gebiet nicht kennt, wieviel Drall in der Story drin ist. (Und bei Themen, wo man sich auskennt, merkt man: öfter verdammt viel Drall.) So wird bei der WW etwa das ganze Heft fast unbrauchbar.

    Sonst glaube ich, das Problem bei der Transparenz liegt wo anders: im pseudoneutralen Stil vieler Artikel. Diese sehen a) langweilig, b) eben aalglatt und nicht “gemacht” aus – von jemand, der eine politische Haltung hat, Vorlieben, Launen, Angst vor Hunden, etc.

    Das Problem im Jounalismus ist nicht das fehlende Tell-All-Portrait auf einer Website. Sondern, dass Zeitungen zuwenig persönlichen Stil fördern. Denn das macht einen Text sofort kenntlich: “Le stil, c’est l’homme.”

    Weitere Transparenz ist, glaube ich, okay, aber Luxus: Leser ändern ihre Meinung ja so gut wie nie durch Artikel. (Dabei sollten sie, wenn auch natürlich nur bei meinen, verdammt.)

  22. David Bauer sagt:

    Der entsprechende Artikel in der Weltwoche ist heute erschienen. Auf dem Titelblatt angepriesen mit “Schweizer Fernsehen: die totale Verschleierung”, innen übertitelt mit “Mauer des Schweigens” (Anriss online: http://www.weltwoche.ch/weiche/artikel-fuer-abonnenten.html?hidID=540650). Auf umgekehrte Forderungen nach Transparenz bei der Weltwoche, wie ich sie in meinem Artikel oben zitiere, hat die Weltwoche meines Wissens bislang nicht reagiert.

  23. andreas kunz sagt:

    lieber david, deine track-record-idee finde ich gut. aber lass uns doch von vorne beginnen: bevor ich das lieblingsessen oder die unterhosenmarke eines politjournalisten kennen möchte, interessiert mich vor allem sein allfälliges parteimandat. der rest ist nice to know. warum die weltwoche im gegensatz zu einer srg keine transparenz herzustellen braucht, ist sonnenklar und steht im artikel. wir machten es allerdings trotzdem, das svp-mandat von peter keller wurde bei seinem eintritt im intern vermerkt. zudem wiederholen es die anderen medien bei jeder gelegenheit genüsslich und mit grosser hingabe zu unserer zeitung, was uns immer sehr freut.

  24. Titus sagt:

    Noch ein kleiner Input zum Thema “ausgeglichener, neutraler Journalismus: http://bit.ly/iczAFC

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